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Kultur im Norden Bilder eines Welterfolgs
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18:10 23.01.2018
Lübeck

Im Januar 1929 ist das Buch erschienen, dem Jahr, in dem Thomas Mann den Nobelpreis erhielt. Eine bedeutende Phase mithin für die deutsche Literatur und zwei ihrer größten Namen. Aber die beiden hatten nicht allzu viel gemein, schon gar nicht mit Blick auf den Ersten Weltkrieg. Da hatte Thomas Mann dem Militärischen und dem Vaterland anfangs noch Kränze gewunden, während Remarque in seinem Roman das Grauen dieser Völkerschlacht beschrieb.

Später, als „Im Westen nichts Neues“ auf den Markt kam und die Welt neuem Unheil entgegentaumelte, änderte sich das wie so manches im Leben des großen Dichters. Aber als sie sich im amerikanischen Exil gelegentlich sahen, wussten sie wenig miteinander anzufangen. Freunde habe man sie wohl kaum nennen können, sagte Birte Lipinski, die Leiterin des Buddenbrookhauses.

„Im Westen nichts Neues – Remarques Roman in Text und Bild“ heißt die Ausstellung, die heute dort eröffnet wird. Wobei der Schwerpunkt auf dem Bild liegt, auf 52 Originalgrafiken, die der Illustrator Peter Eickmeyer für seine 2014 erschienene Graphic Novel nach dem Buch gefertigt hat. Sie lagern im Remarque-Friedenszentrum in Osnabrück, wo der Schriftsteller 1898 geboren wurde. Dazu hat die Kuratorin Ira Klinkenbusch zwölf prägende Seiten aus dem Roman ausgewählt, es gibt Biografisches zum Autor, Erklärendes zum Buch und dessen Verfilmung. Und es gibt eine Vitrine mit Anti-Remarques, kleinen Kampfschriften mit Titeln wie „Im Westen doch Neues“, die dem Autor und seinem Werk in die Parade fahren wollten.

Aber sie konnten dem überwältigenden Erfolg des Romans nichts anhaben. „Im Westen nichts Neues“ gilt bis heute als eines der großen Bücher gegen den Krieg. Schon elf Wochen nach dem Erscheinen waren 450000 Exemplare verkauft. Heute ist es in mehr als 60 Sprachen übersetzt, es ist nach wie vor Lektüre in den Schulen und eine der großen Anklagen der Weltliteratur.

Erschienen ist es es seinerzeit im Ullstein-Verlag. Thomas Manns Verleger Samuel Fischer, dem Remarque es angeboten hatte, hielt es nicht für zeitgemäß. Da war es aber bald schon in der Welt, denn die „Vossische Zeitung“ druckte es 1928 als Serie vorab. Allerdings im politischen Teil des Blattes, nicht im Feuilleton, was den Stellenwert des Buches unterstreicht.

Remarque hatte es schon 1917 begonnen, als er kriegsverletzt im Hospital lag. Aber er packte die Notizen wieder beiseite, arbeitete als Lehrer, schrieb einen erfolglosen Roman, wurde Journalist und machte sich schließlich 1927 wieder an „Im Westen nichts Neues“.

Er schildert darin die Geschichte des jungen Paul Bäumer, der in den Krieg zieht und durch die Verrohung der Welt abhanden kommt. Der seine jungen Kameraden fallen sieht und schließlich selbst stirbt, an einem Tag, über den der Heeresbericht vermerkt, „im Westen sei nichts Neues zu melden“.

Remarque hat den Roman als Trilogie angelegt und wollte nicht nur den Krieg zeigen, sondern auch den Weg der verlorenen Generation zurück in den Frieden, ins Leben. Er vermischt darin eigene Kriegserfahrungen und Erzählungen anderer Soldaten mit Fiktion. Auf Verlangen des Verlages musste er sein Manuskript aber umarbeiten und kriegskritische Stellen entschärfen. Und er ließ sich einspannen in eine selten gekannte und verzerrende Ullstein-Marketingkampagne. Später sollte er das bedauern, aber da lebte er schon nicht mehr in Deutschland. Er ging bereits vor 1933 über die Schweiz in die USA, wurde amerikanischer Staatsbürger, hatte ein Jahr nach Kriegsende mit dem Emigrantenroman „Arc de Triomphe“ einen weiteren weltweiten Erfolg und starb 1970 in Locarno im Tessin.

Heute Vernissage

Die Ausstellung ist eine Kooperation des Buddenbrookhauses mit dem RemarqueFriedenszentrum in Osnabrück. Dessen Direktor Thomas F. Schneider wird eine Einführung geben, wenn die Schau heute um 19.30 Uhr in der Marienkirche und anschließend im Buddenbrookhaus eröffnet wird (Eintritt: 7,50 Euro). Die Kuratorin Ira Klinkenbusch ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin im Buddenbrookhaus. Die Ausstellung läuft bis zum 15. April.

Von Peter Intelmann

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