Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Bilder voll Dramatik und Extravaganz

Eutin Bilder voll Dramatik und Extravaganz

Das Ostholsteinmuseum Eutin zeigt Werke des Expressionisten Wenzel Hablik.

Voriger Artikel
Gefühlvolle Provokateure
Nächster Artikel
Inspiration aus der Stille der Provinz

Feuerwalze in der Lüneburger Heide: Museumsleiterin Julia Hümme vor einem dramatischen Ölgemälde Wenzel Habliks von 1911. FOTOS: FELIX KÖNIG, DPA

Eutin. . Da steht eine einsame Gestalt auf einem Gipfel und setzt sich dem letzten Licht einer Feuersonne aus. Unter der Person drohen violette Wolken. Das Bild ist 1906 entstanden, nachdem der Maler und vielseitig begabte Kunsthandwerker Wenzel Hablik den Mont Blanc bestiegen hatte. Es muss ein erschütterndes Erlebnis für den jungen Mann gewesen sein, der 1881 im böhmischen Brüx (heute: Most in Tschechien) geboren wurde, wo er zunächst eine Tischlerlehre in der väterlichen Werkstatt zu machen hatte. Hablik schaffte es später an die Kunstakademie von Prag, er hatte Kontakt zu Literaten wie Arthur Schnitzler, Alexander Roda Roda oder Ferdinand Avenarius, sein Bilder wurden in Berlin gemeinsam mit Werken von Picasso und Gauguin ausgestellt.

 

LN-Bild
LN-Bild

Bedrohlich und pittoresk: Meeresbrandung auf der Insel Sylt.

Quelle:
LN-Bild

Das Ostholsteinmuseum Eutin verleiht Hablik jetzt wieder die Prominenz, die ihm als bedeutendem schleswig-holsteinischem Expressionisten zukommt – von 1908 bis zu seinem frühen Tod 1934 lebte er in Itzehoe, wo das Wenzel-Hablik- Museum den Nachlass des Künstlers und seiner Ehefrau, der Webmeisterin Elisabeth Lindemann (1879-1960), betreut. Die Ölbilder, Grafiken und Objekte, die das Eutiner Museum ausstellt, sind Leihgaben der Hablik-Stiftung Itzehoe.

Habliks „Sonnenuntergang am Mont Blanc“ verrät – wie auch einige Porträts, die in Eutin zu sehen sind –, die Vorbilder Vincent van Gogh oder auch Edvard Munch. Neben dem pastosen Farbauftrag sind das flirrende Farbspiel und die Stilisierung des Motivs Heinweise, dass Hablik das Werk der großen Expressionisten kannte. Anders als Caspar David Friedrichs Bild „Wanderer über dem Nebelmeer“, an das der „Sonnenuntergang“ auch erinnert, ist bei Hablik nicht das Staunen des Menschen vor der Natur zentrale Bildaussage, sondern das Ausgeliefertsein in einer bedrohlichen Welt. Von Sylt brachte er Studien der Naturgewalten mit, sie können zerstörerisch oder schöpferisch sein. Gezeiten, Sturm, eine Feuerwalze, die durch die Heide wütet – Habliks Landschaften sind immer dramatisch beleuchtet und bewegt. Museumsleiterin Julia Hümme ist überzeugt: „Hablik gehörte zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten im Norden. Auch wenn seine Naturansichten manchmal naiv wirken, so sind sie doch von unbändiger Kraft.“

Er konnte später auch anders: In ihrer Kristallform utopische anmutende Architekturentwürfe machten Hablik interessant für den Baumeister Martin Gropius und das Bauhaus. Auch Landschaften wurden bei ihm zu solchen kristallinen Erscheinungen: „Der Weg des Genius“ führt für schemenhafte Figuren über geometrisch-schroffe Klippen und Schluchten zur Erleuchtung in einem hellen Palast.

Stoffe, Tapeten, Möbel, Silberbesteck – Wenzel Hablik entwarf ganze Wohnlandschaften samt Inhalt, extravagant und farbenfroh für einen aufregenden Alltag. Die Räume, die er ersann, sollten durch und durch von Kunst beseelt sein. So wurde in der Theodor- Storm- Schule von Bad Oldesloe vor wenigen Jahren eine vielfarbige Rauminszenierung Habliks aus dem Jahr 1926 unter Kalkfarben entdeckt, die geradezu aufwühlt. Doch auch Ironie war ihm nicht fremd: Für Itzehoe schuf er im Jahr der Hyperinflation 1921 kunstvolle Notgeldscheine mit Untergangsmotiven.

Hablik ist viel in der Welt herumgekommen, in Italien, Konstantinopel, Südamerika. Doch Itzehoe ist viele Jahre seine Basis und geblieben. Vielleicht ist das ein Grund, warum der zu seiner Zeit hochangesehene Künstler heute nur noch regional wahrgenommen wird. Man kann nun endecken, dass seine Phantasie so utopisch wie bodenständig ausgerichtet war.

Maler und Visionär

Wenzel Hablik (1881- 1934) war einer der Künstler aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, die es ernst meinten mit dem Aufbruch in phantastische Welten. Fasziniert von Kristallen und Muscheln, die er sammelte, schuf er utopische Visionen.

Die Ausstellung in Eutin ist vom kommenden Sonntag an bis zum 29. Januar 2017 zu sehen.

Michael Berger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden