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„Bin nicht zufrieden, bin euphorisch“

Interview und Kommentar „Bin nicht zufrieden, bin euphorisch“

So viele Besucher wie noch nie: SHMF-Intendant Christian Kuhnt sieht seine Strategie bestätigt.

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Mit dem Bernstein Award ausgezeichnet: der österreichische Cellist Kian Soltani beim Preisträgerkonzert in der MuK.

Quelle: Axel Nickolaus

Herr Kuhnt, lassen Sie mich raten: Sie sind mit dem Verlauf des Festivals 2017 sehr zufrieden.

Christian Kuhnt: Stimmt nicht – ich bin euphorisch. Niemals hätten wir ein solch gutes Ergebnis erwartet.

20000 Karten mehr verkauft als im vergangenen Jahr, Auslastung 90 Prozent – ist das noch zu toppen?

Wir sind sehr froh darüber, dass wir in diesem Jahr so viele Menschen für unsere Programme begeistern konnten wie noch nie. Aber wir müssen uns als Festival jedes Jahr neu erfinden.

Aber Sie haben jetzt mit dem Porträt-Künstler und auch mit der Komponisten-Retrospektive eine Form gefunden, die sich bewährt hat. Was müssen Sie denn da noch neu erfinden?

Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, Musik auch jenseits der ausgetretenen Pfade zu präsentieren, nicht zuletzt in den Retrospektiven. Solche Programme zu erstellen und damit das Bedürfnis nach Neuem beim Publikum zu befriedigen, ist unsere Hauptaufgabe. Jedes Jahr wieder.

Worauf führen Sie denn den Erfolg dieses Jahres konkret zurück?

Zum einen haben wir in den vergangenen drei Jahren den Grundstein dafür gelegt. Die neuen Formen sind vom Publikum angenommen worden, die Besucher wissen, dass sie bei uns erstklassige Qualität geboten bekommen. Und wenn dann auch noch ein so sympathischer Künstler wie Avi Avital 20 Konzerte bei uns gibt, dann erklärt sich der Erfolg ganz einfach.

Dass die Mandoline eine solche Anziehungskraft entwickelt, hätten Sie wahrscheinlich auch nicht gedacht.

Nein, wirklich nicht. Aber Avi Avital hat uns alle eines besseren belehrt. Er hat Barockmusik gespielt, Jazz und Bluegrass, alles kam großartig an. Sämtliche Konzerte mit Avi Avital waren ausverkauft, er war ein großartiger Botschafter seines Instrumentes.

Die Bandbreite der Spielstätten ist groß, es gab aber auch Kritik. In Büdelsdorf bei der Nordart etwa mangelte es an Toiletten.

Das war ein Problem, das wir sicherlich lösen können. Grundsätzlich aber gilt: Wer eine sterile Konzertatmosphäre haben will, soll nach Hamburg in die Elbphilharmonie gehen.

Die Elbphilharmonie hat sich als Event-Spielstätte bewährt?

Das hat sie, mit Bravour. Aber das heißt nicht, dass sie die Musik- und Kongresshalle in Lübeck gnadenlos in den Schatten stellt. Viele Künstler, die einen vollen, warmen Klang bevorzugen, spielen lieber in der MuK.

Aber Sie finden den Namen MuK unmöglich.

Das ist richtig. Elbphilharmonie klingt sexy, MuK törnt ab.

Eine Frage zum nächsten Festival: Macht Daniel Hope wieder sein großartiges Festival im Festival?

Zum Programm des kommenden Jahres sagen wir noch nichts. Aber es gibt keinen Grund, dass Daniel Hope nicht wiederkommt.

Also kommt er?

Wir befinden uns in sehr guten Gesprächen. Die Programm-Pressekonferenz findet im Februar 2018 statt.

  Interview: Jürgen Feldhoff

Kommentar: Kultur für die Provinz und gegen das Provinzielle

SHMF-Intendant Christian Kuhnt ist nicht dafür bekannt, dass er sich kleiner macht als seine Erfolge es erlauben. Seine strahlenden Auftritte am Rand einiger ausverkaufter und bejubelter Konzerte beweisen: Triumph krönt die Figur.

Gestern konnte er wieder eine Erfolgsmeldung verkünden: 171000 Besucher, und das während eines mehr oder weniger verregneten Festival-Sommers. Aus Kuhnts Zahlen kann man die Botschaft entnehmen:

Wenn aus Schleswig-Holstein positive Nachrichten zu vermelden sind, sind es solche aus dem kulturellen Leben.

Das liegt am Niveau der Programme, welche die Kulturinstitutionen im echten Norden bieten und die das Land aus dem Provinziellen herausheben – egal, ob bei Veranstaltungen im Konzertsaal oder im Kuhstall; und das liegt am Enthusiasmus des Publikums, das gerade in einem ansonsten deprimierenden Regen-Sommer den kulturellen Beistand sucht und findet.

Ein Kommentar von Michael Berger

Das Festival in Zahlen

Das Schleswig-Holstein Musik Festival beendet die Saison 2017 mit einer Rekordbilanz. Insgesamt 171000 Besucher wurden bei knapp 200 Konzerten an den 107 Spielstätten an 63 Orten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Süddänemark und dem nördlichen Niedersachsen gezählt, im vergangenen Jahr waren es 151000 gewesen. Die Auslastung betrug 90 Prozent. Der Haushalt des Festivals belief sich auf 9,2 Millionen Euro. Das Land Schleswig-Holstein zahlte auch in diesem Jahr 1,2 Millionen Euro.

LN

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