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„Bis abgerungene Schönheit aufleuchtet“

Lübeck „Bis abgerungene Schönheit aufleuchtet“

Der Bad Schwartauer Maler Dieter Ohlhaver wird 85 Jahre alt – und wird mit einer Doppelausstellung geehrt. Die Eröffnung ist am Sonnabend um 17 Uhr.

Dieter Ohlhaver und seine Bilder „Nocturno“, „Schönheit der Linie I“ und „Blick in unbekannte Zukunft“ (v. l.).

Quelle: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Man müsste den Kopfstand beherrschen. Dann wäre am besten nachzuvollziehen, was Dieter Ohlhaver meint, wenn er sagt: „Wenn man das Bild umdreht, wirkt es ganz anders.“ Der Maler spricht über sein großformatiges Gemälde „Schönheit der Linie II“. In Gesellschaft von neun weiteren Werken hängt es in der Galerie Artler. Eine Doppelausstellung, die in der Galerie Siebert auf der gegenüberliegenden Straßenseite fortgeführt wird, ehrt Ohlhaver, der in wenigen Tagen seinen 85. Geburtstag feiert.

Der Künstler, 1932 in Hamburg geboren, möchte sich zu seinen Bildern am liebsten nicht äußern: „Sie sind reif genug, um für sich selbst zu sprechen.“ Über seine Art zu arbeiten erzählt er dann aber doch. Das konventionelle Vorgehen sei, die unberührte Leinwand vor sich zu haben. „Man fängt an, ohne ein konkretes Ziel zu haben.“ Das Ergebnis könne eine gelungene Arbeit sein, „oder man gelangt in ein Chaos“.

Die zehn mit Acrylfarben auf Leinwand gemalten überwiegend abstrakten Bilder gehören zu einer Serie von etwa 20 Werken – Ohlhavers Fazit aus zwölf Jahren Malerei. Ein Schwelgen in allen möglichen Formen und Farben liegt darin, zudem ein Drunter und Drüber, das räumliche Tiefe entstehen lässt. Ohlhaver spielt mit Assoziationen, gibt seinen Bildern entsprechende Namen. „Nocturno“ etwa heißt ein in den Farben der Nacht gehaltenes Werk, zu dem die Lyrikerin Doris Runge ein Gedicht geschrieben hat.

Vor ein paar Jahren hat Ohlhaver sich etwas Neuem zugewandt, dem Übermalen eigener Bilder. Das Gemälde „Aufstieg“ ist ein Beispiel. Ein Gesicht entstand – es dabei belassen oder nicht, war die Frage. Eine Frage, die sich dem Künstler immer stellt. Wann ist ein Bild fertig? Beim Übermalen wird „das Bild immer wieder überschrieben, bis der Maler zufrieden ist, bis eine ,abgerungene Schönheit’ aufleuchtet“, schreibt der Künstler im Katalog zur Ausstellung.

Dieter Ohlhaver hat ab 1952 an der Kunsthochschule in Hamburg studiert, in der einzigen Klasse für abstrakte Malerei. Bis heute sieht er sich als abstrakten Maler, wenn er sich auch die Freiheit lässt, gegenständlich zu malen beziehungsweise Gegenständliches in seine Bilder einfließen zu lassen.

Der Künstler war viel unterwegs, fünf Jahre hat er als Kunsterzieher in Teheran gelebt. 2016 war er erneut dort und alles andere als angetan von der ungeordnet wuchernden Stadt. „Teheran nach 40 Jahren“ deutet in überwiegend düsteren Farben das Bild einer vom Autoverkehr dominierten Stadt an.

Drüben auf der anderen Straßenseite, in der Galerie Siebert, geht es ruhiger zu. Bilder in kleinerem Format haben hier ihren Platz gefunden. Eine Arbeit des Schweizers Max Bill in geometrischen Formen war Anreiz für die „Burlesken“-Bilderserie, von der ein Teil zu sehen ist. Sennelier-Ölstifte, mit den Händen verwischt, verwandte der Künstler auch für weitere Bilder, mit denen er sich auch als gegenständlicher Maler präsentiert. Motive aus Griechenland finden sich hier, aus dem Land, in dem Ohlhaver in wenigen Tagen seinen Geburtstag feiern wird.

Eröffnung: heute um 17 Uhr. Einführung: Jens Peter Mardersteig. Bis 30. September, Galerie Artler Kunstkollektiv, Große Burgstr. 32, Galerie Siebert, Große Burgstraße 39.

 Liliane Jolitz

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