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Björk: Musik und digitale Welten

Sydney Björk: Musik und digitale Welten

Das Multitalent aus Island probt derzeit eine ganz neue Art von Konzerterlebnis: Sie nimmt ihre Fans mit auf eine Reise in die virtuelle Realität.

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Mode mit Maske: Björks Outfit bei der Premiere von „Björk Digital“ in Sydney. Für das Projekt hat sie mit renommierten Filmemachern und Programmierern gearbeitet.

Sydney. Es gibt nicht wenige Fans von Björk, die meinen, dass das mittlerweile 50-jährige isländische Multitalent gar nicht von diesem Planeten stammen kann. Weil Björk stets Grenzen überwunden hat, sich um Konventionen nie geschert hat, immer auf der Suche nach Neuem war und ist.

LN-Bild

Das Multitalent aus Island probt derzeit eine ganz neue Art von Konzerterlebnis: Sie nimmt ihre Fans mit auf eine Reise in die virtuelle Realität.

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Und dann das: Ihre langjährige Beziehung mit dem Regisseur Matthew Barney (mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat) geht zu Bruch. Das verarbeitet sie so, wie man es eher von einer irdischen Musikerin erwarten würde: Mit einer CD, bei der Trauer, Verzweiflung, Hoffnung und Trotz aus den Tönen der Instrumente und den gesungenen, geflüsterten, geschrieenen und hervorgestoßenen Texten herausfließen. „Vulnicura“ (was soviel heißen könnte wie „Wundheilung“) kam 2015 auf den Markt. Einfach so.

Jetzt hat Björk Teile von „Vulnicura“ genutzt, um ihren Fans einen völlig neuen Zugang zu ihrer Musik, zu ihren Gedanken und zu sich zu ermöglichen: Virtuelle Realität. „Ich habe das Gefühl, dass die chronologische Erzählweise des Albums ideal ist, um im ,privaten Zirkus‘ der virtuellen Realität aufgeführt zu werden. . . ein Theater, das die emotionale Landschaft darstellen kann“, schreibt Björk auf ihrer Webseite.

Wie das aussehen kann, zeigt Björk in diesen Tagen am anderen Ende der Welt – in Sydney. In dem von modernen Künstlern betriebenen Veranstaltungszentrum „Carriageworks“ präsentiert sie derzeit in vier Räumen jeweils einen Song des „Vulnicura“-Albums in virtueller Realität. Die Besucher bekommen spezielle Headsets, mit denen sie sich im Raum bewegen und auf eine ganz neue Weise die Musik erleben können. Die Webseite „Mashable“ beschreibt das Erlebnis zum Beispiel bei dem Song „Notget“ so, als käme es „direkt aus Björks Einbildungskraft in deinen Kopf“. Björk marschiert und tanzt in der virtuellen Realität mit gelb leuchtenden Augen in einem Raum, der wie der Mutterleib von innen aussieht. Man kann sich Björk nähern und um sie herumgehen, wenn man in sie hineingeht, explodieren tausende blinkende Partikel. Während des Songs wird die Björk-Darstellung immer größer und höher; am Ende entsteht der Eindruck, dass man ihr nicht mehr entkommen kann. Aber es sind nicht nur irreale Darstellungen, die man in virtueller Realität erleben kann: Beim Video „Stonemilker“ etwa trifft man Björk in einer kargen, kalten, windzerzausten und dennoch beeindruckenden Landschaft in Island und kann sich dort bewegen.

Bei der Premiere dieser elektronischen Welten in Sydney war Björk an Ort und Stelle. Sie präsentierte sich als DJ mit einem fünfstündigen Musik-Set. Björk stand fast versteckt in einer Ecke des Raumes, wie so oft mit einer Fantasiemaske vor dem Gesicht, für die Fans kaum sichtbar hinter Pflanzen. In der virtuellen Realität sei man ihr näher gewesen, schreibt „Mashable“ weiter, und: Björk in virtueller Realität zu erleben sei vielleicht sogar besser als im echten Leben.

Man darf gespannt sein. Die VR-Video-Performance soll auf Tournee gehen; Orte und Daten sind noch nicht bekannt.

Musikerin, Schauspielerin

Björk Guðmundsdóttir wurde am 21. November 1965 in Reykjavik geboren. Schon als Kind erhielt sie einen Zugang zur Musik: Als sie fünf Jahre alt wurde, begann ihre Ausbildung in einer Musikschule (Piano, Gesang, Flöte).

14 Jahre war sie alt, als sie ihre erste Punk-Gruppe gründete („Spit and Snot“), wenig später dann eine Fusion-Jazz-Gruppe („Exodus“) und weitere. Mit der 1986 gegründeten Band The Sugarcubes erlangte sie ersten Ruhm. 1992 trennte sich die Band. Ihr erstes Solo-Album „Debut“ war ein großer Erfolg und erlangte in den USA Platin-Status. Seitdem hat sie sieben weitere Alben veröffentlicht.

Als Schauspielerin überzeugte sie in Lars von Triers „Dancer in the Dark“, wofür sie auch die Musik beisteuerte. 2000 wurde sie in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet.

Andreas Heß

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