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Blaupause vom Kindheitstraum

Plüschow Blaupause vom Kindheitstraum

Die neue Ausstellung in Plüschow heißt „Ubuntu — Die Kunst des Kindseins“.

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Kerstin Borchardt (47) vor einem ihrer in Blau und Violett schimmernden Werke — verarbeitet sind Blaupapierbögen.

Quelle: Foto: Dana Dolata

Plüschow. Kerstin Borchardt (47) hatte einen Stapel DDR-Blaupause gefunden — und ihn in Kunst verwandelt. „Die Bögen schimmern so schön im Licht, wenn man sie nass macht“, sagt die Künstlerin.

Damit hat sie experimentiert, Dinge ausprobiert, gespielt — vielleicht wie ein Kind, das Seifenblasen macht? Die Erklärung würde passen, ist doch das Thema Kindheit Inhalt der neuen Ausstellung im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow. „Ubuntu“ ist der Titel der Werkschau. Eröffnung ist morgen um 17 Uhr mit Musikern des Landesjugendorchesters Mecklenburg-Vorpommern. Die Musiker sind Botschafter der SOS-Kinderdörfer weltweit. Neben Kerstin Borchardt werden Arbeiten von Rando Geschewski, Takwe Kaenders, Ute Laux, Wilfried Schröder, Wanja Tolko, Janet Zeugner und Kuratorin Miro Zahra gezeigt.

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Kerstin Borchardt (47) vor einem ihrer in Blau und Violett schimmernden Werke — verarbeitet sind Blaupapierbögen.

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Die acht Künstler, die ihre Werke überwiegend extra für diese Ausstellung haben entstehen lassen, gehen überaus unterschiedlich an das Thema. Wanja Tolko beispielsweise hat selbst Kinder und setzt sich mit Computerspielen für Kinder auseinander. Er spielte selbst, las, malte. In Plüschow zeigt Tolko Malereien auf Leinwand. Auf rosa Untergrund sind Männchen am Werk, die an Computerspiele erinnern. Naiv wirke das nur auf den ersten Blick, sagt Miro Zahra. Später erkenne der Betrachter dahinter komplexe Zusammenhänge, eine tiefe Symbolik.

Miro Zahra hat als Kuratorin sämtliche Arbeiten ausgewählt — und auch eigene Werke trug sie bei. „Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und hatte einen Schutzraum, der von Menschen geschaffen wurde, um mich herum“, sagt sie, die eine alte Fotografie neben abstrakte Malerei stellte. Auf der Fotografie ist sie selbst zu sehen. Eine übergroße Tür symbolisiere die geheimnisvolle Welt dahinter. Das Areal, auf dem die junge Miro Zahra steht, würde sie tragen. „Großmutters Garten“ nennt Zara diese Arbeiten. Takwe Kaenders hat bisher überwiegend Metallskulpturen in rostigen Farben gemacht. Für Ubuntu wurde erstmalig eine pinke Skulptur in Form eines Sandkastens gefertigt.

Ausstellungsbegleitend wird es Workshops geben: Schüler bekommen von Walter Anyanwu, Nigerianer in Österreich, die Bedeutung des Wortes Ubuntu beigebracht. Denn Ubuntu ist aus der Sprache der Zulu, einem Stamm aus dem südlichen Afrika. Das Wort sage viel, heißt es in der Einladung, die das Künstlerhaus zur Eröffnung der Ausstellung gestaltet hat. Es bedeute, dass Menschenwürde ungeachtet der Hautfarbe, Ethnie und Religion unabdingbar ist. Es sage auch, dass Grundwerte wie Verantwortung, Gemeinschaft und Liebe wichtig seien für ein Miteinander.

Karsten Lessing, Leiter der Büros Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein der SOS-Kinderdörfer, sagt, er wolle Kindern die Welt mit einfachen Dingen erklären. Das unmittelbare Lernen sei wichtig — und nicht, die „Welt im iPhone ans Bett geliefert zu bekommen.“ Die SOS-Kinderdörfer sind Partner der Ausstellung. Jeweils ein Werk jedes Künstlers werde zugunsten der Kinderdörfer verkauft. Auch die Sparkasse Mecklenburg-Nordwest fördert das Projekt, ebenso der Landkreis innerhalb des Bundesprogrammes „Toleranz fördern — Kompetenz stärken“. Nach Plüschow soll die Ausstellung in Innsbruck und München gezeigt werden.

Ausstellung: Vom 29. September bis zum 20. Oktober, Schloss Plüschow

DREI FRAGEN AN...
1In Ihrer neuen Ausstellung geht es um das Thema Kindheit. Mit welchen Zielsetzungen und Stilen sind die Künstler an die Arbeiten zu Ubuntu gegangen? Ich war überrascht, wie unterschiedlich die acht Künstler im Vorfeld an ihre Werke gingen. Mit einer ungeheuren Vielfalt wurde gearbeitet, um das Thema zu erkunden.

2 Was denken Sie, wenn Sie an Kindheit denken? Und braucht es vor allem Bücher, um Kinder zu erziehen — oder geht es vielmehr um die eigene Erfahrung oder das vertrauen auf Instinkte? Ich denke, dass es tatsächlich einiger Lebenserfahrung bedarf, um Kinder zu erziehen. Meine Ehefrau Miro Zahra und ich hatten bei unserer Tochter auch nur die ganz typischen Handbücher à la „Wie wechsele ich eine Windel?“. Kindheit ist für mich eine sehr wichtige, prägende Phase. Es ist wirklich viel, was ich in meiner Kindheit gelernt habe und was noch heute auf mich einwirkt.

3 Wie war die Resonanz auf die letzte Ausstellung im Hause? „Warmzeit“ war der Titel der vergangenen Ausstellung in Schloss Plüschow. Über die Dauer von mehreren Wochen hatten wir großen Zuspruch, was mich wirklich sehr gefreut hat. An den Nummernschildern der Autos auf dem Schloss-Areal habe ich gesehen, dass die Menschen von überall hergekommen sind. dana

Dana Dolata

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