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Kultur im Norden "Boy 7": Thriller mit David Kross in der Hauptrolle startet im Kino
Nachrichten Kultur Kultur im Norden "Boy 7": Thriller mit David Kross in der Hauptrolle startet im Kino
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09:52 19.08.2015
Zwei, die einem Komplott auf die Spur sind: Sam (David Kross) und Lara (Emilia Schüle) wollen ihr Gedächtnis wiederfinden, das bringt sie in Lebensgefahr. Quelle: Fotos: Hamster Film, Dpa, Maxwitat,
Lübeck

Er ist erst 25 Jahre alt und gilt als einer der talentiertesten deutschen Schauspieler — auch in Hollywood kennt man David Kross bereits. In der Verfilmung des Jugend-Thrillers „Boy 7“ von Mirjam Mous spielt er den 19-Jährigen Sam, der ohne Erinnerung in einem U-Bahnschacht erwacht. In einem Tagebuch findet er Anhaltspunkte auf seine Vorgeschichte. Zusammen mit Lara (Emilia Schüle), die ebenfalls einen Blackout hat, rekonstruiert er die Vergangenheit, die in das Resozialisierungszentrum „Kooperation X“ führt, wo Sam zu Boy 7 wurde.

Lübecker Nachrichten: Kannten Sie den Roman „Boy 7“ vor dem Dreh?

David Kross: Lustigerweise kannte ich das Cover, das habe ich bei meinem Bruder im Buchregal gesehen.

LN: Und haben Sie Ihren Bruder gefragt, ob es sich lohnt, daraus einen Film zu machen?

Kross: Nee, ich hab‘s selbst gelesen, um mir ein eigenes Urteil zu bilden. Ich fand die Story spannend und auch das Drehbuch, beide sind sehr unterschiedlich.

LN: Was hat Sie daran gereizt?

Kross: Zum einen die Geschichte. Auf der anderen Seite wollte ich auch mal einen klassischen Genrefilm machen, das wird ja in Deutschland nicht so häufig produziert. Mich hat auch gereizt, mit dem Regisseur Özgür Yildirim zusammenzuarbeiten.

LN: Es gibt viele Actionszenen. Sind Sie eine Sportskanone?

Kross: Früher war ich in der Tat eine. Ich habe parallel Handball, Basketball und Fußball im Verein gespielt. Aber als es dann mit der Schauspielerei losging, war das nicht mehr möglich.

LN: Die Actionszenen waren aber kein Problem?

Kross: Nein. Ich durfte ja gar nicht zu fit erscheinen. Ich spiele einen Computerhacker, der natürlich nicht so trainiert ist.

LN: Was waren die schwierigsten Actionszenen?

Kross: Die unter Wasser, das hatte ich noch nie gemacht. Wir mussten eine Kussszene drehen. Es ist schwer, unten zu bleiben. Taucher haben uns festgehalten. Wir hatten Zeichen ausgemacht, wann sie uns zum Luftholen loslassen. Das hat aber auch Spaß gemacht.

LN: Wie küsst es sich unter Wasser?

Kross: Das ist echt schwierig. Man sieht sich ja nicht so richtig, es ist alles verschwommen. Emilia musste ihre Kontaktlinsen rausnehmen. Es ist kompliziert, mit einer anderen Person zu spielen, die man nicht richtig sieht.

LN: Sie spielen einen Computerfreak. Wie ist Ihr Verhältnis zum PC?

Kross: Ich benutze ihn für die Arbeit, lese Drehbücher auf dem Tablet, schreibe Mails. Für die Recherche ist es natürlich toll. Aber sonst mache ich nichts, spiele auch nicht.

LN: Und wie ist es mit sozialen Netzwerken, Facebook etwa?

Kross: Da bin ich nicht. Ich möchte es einfach nicht. Man kann damit wahnsinnig viel Zeit vertrödeln, ich schreibe lieber E-Mails.

LN: Spielt auch die Angst, die Kontrolle zu verlieren, zu viel preiszugeben, eine Rolle? Darum geht es ja auch im Film.

Kross: Ja, es hat auch damit etwas zu tun, nicht manipulierbar zu werden. Im Netz wird so viel Privates öffentlich gemacht, und man weiß nicht, in welche Hände es gerät und von wem oder wie es dann verwendet wird. Das fand ich auch an dem Film so gut, dass diese aktuellen Fragen thematisiert werden.

LN: In Holland wurde das Buch fast parallel auch verfilmt. War das nicht komisch für Sie? Hatten Sie nicht den Ehrgeiz: Ich mach‘s besser als der andere?

Kross: Ja klar, aber das fand ich gar nicht schlecht, das könnte man öfter machen. Ich bin gespannt auf den anderen Film.

Junge aus Bargteheide
David Kross (eigentlich: Kroß) wurde am 4. Juli 1990 in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) geboren. Er wuchs in Bargteheide (Kreis Stormarn) auf und besuchte dort bis 2007 das Eckhorst- Gymnasium. In seiner Freizeit spielte er in einer Theatergruppe. 2005 nahm Kross an einem Casting für Detlev Bucks Film „Knallhart“ teil, und der Regisseur gab dem 15-Jährigen die Hauptrolle als Michael Polischka, der in Berlin-Neukölln in die Fänge einer Jugendgang gerät. 2008 erlangte Kross internationale Bekanntheit — er spielte im Film „Der Vorleser“ nach dem Roman von Bernhard Schlink eine Hauptrolle an der Seite von Kate Winslet, Ralph Fiennes und Bruno Ganz. Regie führte Stephen Daldry.
Doppelte Buch-Verfilmung
„Boy 7“ wird fast zeitgleich in den Niederlanden und Deutschland verfilmt. Die holländischen Produzenten wollten neben ihrem eigenen Film eine deutsche Version für den internationalen Markt produzieren und fragten den Hamburger Regisseur Özgür Yildirim („Chiko“, „Blutzbrüdaz“). „Das Genre Thriller und der Stoff haben mich gereizt. Außerdem haben mir die Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft gefallen“, sagt er den LN. Yildirims Bedingung: Er wollte die holländische Drehbuchversion umschreiben. „Ich habe die Handlung aus den USA nach Deutschland verlegt, andere Figuren in den Film genommen, den Roman auf meine Art interpretiert. Es ist ein deutscher Film geworden.“ David Kross sei für ihn „erste und bald auch einzige Wahl“ gewesen für die Hauptrolle.
Dass die Vorlage auch in den Niederlanden verfilmt wurde, sei für ihn nicht irritierend gewesen. „Ich habe gar nicht darüber nachgedacht. Das wäre auch hinderlich gewesen.“ Die zweite Verfilmung habe er noch nicht gesehen, doch er ist sich sicher: „Es sind zwei unabhängige Filme geworden, nur die Grundidee ist gleich.“
Heute hat „Boy 7“ im Cinemaxx in Hamburg (Dammtor) Premiere. Özgür Yildirim und David Kross werden anwesend sein. Beginn: 19 Uhr.
Wann der Film im Verbreitungsgebiet der LN gezeigt wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt.

Interview: Petra Haase

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