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Kultur im Norden Brahms‘ Versöhnung mit dem Unvermeidlichen
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22:15 11.11.2013
Lübeck

Dem Andrang des Publikums konnten die Veranstalter kaum Herr werden: Bis auf den letzten Platz war die Lübecker Aegidienkirche am Sonnabend besetzt. Der Lübecker Bach-Chor und der Jugendchor an St. Aegidien führten unter der Leitung von Eckhard Bürger und mit den Lübecker Philharmonikern Johannes Brahms‘ Deutsches Requiem auf.

Wie Bachs Passionen zu Ostern, das Weihnachtsoratorium zur Adventszeit, so gehört Brahms‘ einziges größeres Sakralwerk in die triste Novemberzeit mit all den Gedenktagen für die Verstorbenen. Doch anders als die katholische Missa pro defunctis, das Requiem, suchte der Protestant Brahms einen versöhnlichen Umgang mit dem Tod. In den von ihm selbst aus der Luther-Bibel zusammengestellten Texten geht es immer um Trost, Ergebenheit und Einverständnis mit dem Unvermeidbaren.

Als Klammer dienen der erste und der letzte, siebente Satz, in denen der Chor wie eine tröstende Trauergemeinschaft verhaltene Töne anschlägt. Bewegter geht es im marschartigen zweiten Satz „Denn alles Fleisch es ist wie Gras“ zu, dessen gespenstische Pauken-Bassgrundierung an einen fahlen Totentanz erinnert. Im dramatischen sechsten Satz wird die letzte Posaune („Tuba mirum“) in einem Solo des Baritons beschworen, dem dann eine große Chor-Fuge folgt, die dem Chor einiges abverlangt.

Eckhard Bürger hatte eher traditionell gemäßigte bis breite Tempi gewählt, die auch dem Vermögen des Chores entgegenkamen und in den beiden korrespondierenden Ecksätzen mit Orgel-Pedal für einen unheimlichen abgrundtief dunklen Klang sorgten. Dabei blieb der Chorklang stets warm und vermischte sich mit den dunklen Orchesterfarben. Wohl wären dem Chor weitere Nachwuchssänger im Tenor zu wünschen!

Katharina Leyhe gab mit schlankem, engelhaftem Ton ein anrührendes Sopran-Solo im fünften Satz „Ihr habt nun Traurigkeit“. Andreas Scheibners in vorbildlicher Diktion vorgetragenes Bariton-Solo bestach im dritten Satz „Herr, lehre doch mich“. Für die Dramatik des sechsten Satzes „Denn wir haben hie keine bleibende Statt“ wirkte sein heller Bariton stellenweise forciert.

Dieter Kroll

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