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Kultur im Norden Brahms aus Lübeck
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20:10 26.06.2013
So sah Willy von Beckerath (1868-1938) Johannes Brahms.
Lübeck

Es gibt viele Einspielungen der vier Sinfonien von Johannes Brahms. Die Zahl der Live-Mitschnitte ist bereits eher klein, die der wirklich guten und atmosphärischen Aufnahmen aus Konzerten ist noch geringer. Zu den qualitativ hochwertigsten Mitschnitten der letzten Kategorie gehören die vier CDs der Lübecker Philharmoniker, die die Sinfonien unter ihrem Generalmusikdirektor Roman Brogli-Sacher aufgenommen haben. Die beiden letzten CDs der Edition sind gerade auf den Markt gekommen.

Wie alle bisher erschienenen CDs der Reihe sind auch die vier Brahms-Platten von höchster technischer Qualität. Vor allem aber bieten die vier Neuerscheinungen neben den Brahms-Sinfonien weitere interessante Werke, zum Teil sogar selten gespielte Raritäten. Die 1. Sinfonie von Brahms zum Beispiel steht neben der Sinfonischen Dichtung „Tod und Verklärung“ op. 24 von Richard Strauss, die CD trägt den Titel „Späte Romantik“. Dieser Titel erschließt sich nicht ganz, vor allem, weil der sinfonische Erstling von Brahms durchaus in klassischer Tradition steht. Der Spätromantiker Strauss hingegen gehörte zu den Komponisten, die den der musikalischen Romantik immanenten Auflösungsprozess der Formen vorantrieb, ehe er wieder ins konventionellere Fahrwasser zurückkehrte. Hörenswert ist diese Zusammenstellung allemal. Das gilt auch für Brahms 2. Sinfonie, die gemeinsam mit dem Violinkonzert B-Dur des Schweizers Othmar Schoeck aufgenommen wurde. Schoeck gehört zu den Spätest-Romantikern, sein Violinkonzert, in dem Konzertmeister Carlos Johnson den Solopart ganz fabelhaft spielt, hätte auch 50 Jahre früher entstehen können. Brahms 3. Sinfonie bildet gemeinsam mit Mozarts Sinfonia concertante für Viola, Violine und Orchester ein schon fast unschlagbares Duo. Die Schwestern Mayumi und Naomi Seiler sind die Solistinnen in Mozarts Doppelkonzert, das hervorragend zu Brahms‘ lichtester Sinfonie passt. „Virtuose Moderne“ lautet der Titel der vierten Brahms-CD der Lübecker Philharmoniker. Neben der vierten und letzten Sinfonie von Brahms beinhaltet sie das kurze, aber gewichtige Trompetenkonzert „Nobody knows de trouble I see“ von Bernd Alois Zimmermann (Solist: Reinhold Friedrich). Hier ist die eher norddeutsch-spröde Brahms- Sinfonie gepaart mit einem selten gespielten Werk der Klassischen Moderne — eine gewagte, aber reizvolle Zusammenstellung.

Alle vier CDs sind nicht nur technisch herausragend, sie zeigen auch die große Qualität der Lübecker Philharmoniker und ihres Dirigenten. Roman Brogli-Sacher, der zwölf Jahre lang Chefdirigent des Orchesters war, beweist in diesen Aufnahmen seine Fähigkeit zu transparenten Klangbildern und zum Aufdecken musikalischer Zusammenhänge. Diese Aufnahmen sind ein echter Schatz. Fel

Die CDs sind erschienen bei Musicaphon.

LN

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