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Brandt-Haus feiert Zehnjähriges

Brandt-Haus feiert Zehnjähriges

Lübeck. Am 1. März wird der Historiker Jürgen Lillteicher neuer Leiter des Berliner Alliierten Museums. Doch vorher gibt es noch eine große Jubiläumsfeier zum Zehnjährigen des Willy Brandt Hauses in Lübeck, das er aufgebaut hat. Seine Bilanz fällt sehr positiv aus.

„Eine Ausstellung ist kein begehbares Buch“, das hat Lillteicher vor zehn Jahren bei der Eröffnung des Willy Brandt Hauses erklärt. Und das Haus in der Königstraße sei kein Brandt-Mausoleum. Er wolle besonders Schülern, die DDR und Mauer nicht erlebt haben, Geschichte zum Anfassen bieten. Nun, zum Jubiläum, fühlt er sich in seinem Konzept bestätigt. Von Anfang an sei das Haus gut angenommen worden, die Besucherzahlen seien stetig gestiegen: von 38000 im ersten Jahr auf 51 000 im vergangenen Jahr.

 

LN-Bild

Abschied: Jürgen Lillteicher steht an der Brandt-Statue im gleichnamigen Lübecker Museum. Im kommenden Jahr wird er das Alliierten-Museum in Berlin leiten.

Quelle: Foto: Ulf-Kersten Neelsen

„Wir sind kein Brandt- MausoleumJürgen Lillteicher

Museumsleiter

Zeitgeschichte möchte er vermitteln, dafür sorgen Sonderausstellungen wie noch bis Mitte Januar die Fotoschau von Siegfried Wittenburg über den Alltag in der DDR, Zeitzeugengespräche, Vorträge, Lesungen zu aktuellen Themen wie kürzlich mit Heribert Prantl, Zusammenarbeit mit Schulen, all das hält das Haus lebendig. „Wir sind das einzige deutsche Museum, das die Menschenrechte in den Mittelpunkt einer Ausstellung stellt“, sagt Jürgen Lillteicher. Dass gerade dieses Thema wie auch Gespräche zum Thema Demokratie noch einmal so aktuell sein würden, hätte er vor zehn Jahren nicht gedacht.

Seine Erfahrungen beim Aufbau des Lübecker Museums will er künftig in Berlin nutzen, um das neue Alliierten-Museum aufzubauen. Er hatte sich für diese Stelle beworben, und die Mitglieder des Trägervereins des Museums haben sich einstimmig für ihn entschieden. „Jürgen Lillteicher ist dank seiner langjährigen Erfahrung bei der Projektentwicklung und beim Neuaufbau von Museen prädestiniert, den geplanten Umzug des Alliierten-Museums an den ehemaligen Flughafen Tempelhof voranzutreiben und umzusetzen“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Warum will Lillteicher von der Trave an die Spree? „Ich werde im nächsten Jahr 50, und das ist doch ein gutes Alter, um noch mal eine neue Herausforderung anzunehmen.“ Außerdem sei der Wechsel auch eine Chance für das Brandt-Haus, durch einen anderen Leiter könne das Haus noch einmal neue Impulse erhalten. Die neue Stelle wird vom Träger des Hauses, der Willy-Brandt-Stiftung, ausgeschrieben Lillteicher kann seine Erfahrung beim Aufbau eines Museums dann im kommenden Jahr in Berlin einbringen. Das Berliner Alliierten-Museum gibt es seit 1998 in Berlin-Dahlem im früheren US-Soldatenkino Outpost und der ehemaligen Nicholson-Bibliothek im früheren amerikanischen Sektor. Es dokumentiert das Engagement und die Rolle der Westalliierten in Deutschland und West-Berlin in der Zeit von 1945 bis 1994. Nun soll das Museum an den ehemaligen Flughafen Tempelhof umziehen. Mit dem neuen Standort solle „ein weiteres Museums-Highlight im Herzen der Bundeshauptstadt“ geschaffen werden, das sich auch der widersprüchlichen Geschichte des ehemaligen Flughafengebäudes stelle, sagte Grütters. Gestaltet und gefüllt werden muss eine Fläche von 3500 Quadratmetern. „Es gibt sehr viel Anschauungsmaterial, von Panzern bis zu den sogenannten Rosinenbombern“, sagt Jürgen Lillteicher. Auf jeden Fall liege eine anspruchsvolle und aufregende Aufgabe vor ihm. Das Haus wird zu 100 Prozent aus dem Etat der Kulturstaatsministerin mit bis zu 27,1 Millionen Euro finanziert. Die bisherige Museumsleiterin Gundula Bavendamm war an die Spitze der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung gewechselt.

Doch vor Lillteichers Weggang wird in Lübeck noch gefeiert. Vor dem großen Fest am 17. Dezember gibt es bereits zahlreiche Veranstaltungen. Heute liest die Jugendbuchautorin Grit Poppe aus „Weggesperrt“ über Erziehungsheime in der DDR, am 14. November spricht Siegfried Wittenburg über das Leben in der DDR, und am 21. November liest der Schauspieler und Brandt-Sohn Matthias Brandt aus seinem Roman „Raumpatrouille“. Filme zur Zeitgeschichte sind ab 12. November jeden zweiten Sonntag im Filmhaus zu sehen. Die Reihe startet mit „Sonnenallee“. Das Besondere: „Nach dem Film bieten wir Führungen passend zum Film durch unsere Ausstellung an“, sagt Lillteicher.

Jubiläums-Programm

Am 21. November liest Matthias Brandt im Hansemuseum aus seinem Buch „Raumpatrouille“, Eintritt nur auf Einladung.

Am 24. November blickt Ulrich Herbert im Audienzsaal des Rathauses zurück auf die Geschichte der EU unter dem Thema „Ideal und Kalkül. Die europäische Einigung in historischer Perspektive“.

Ulrich Herbert ist Inhaber der Professur für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Der Eintritt ist frei. Anmeldung unter: haus-luebeck@

willy-brandt.de

Am 17. Dezember beginnt die Feier zum Zehnjährigen um 11 Uhr mit einer Matinee. Den ganzen Tag über gibt es Führungen und Programm für die ganze Familie. Abends wird Comedian Nico Semrott mit seiner „Standup-Tragedy“ einen speziellen Blick auf das Zeitgeschehen werfen.

Petra Haase

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