Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneefall

Navigation:
Brillantfeuerwerk mit Ludwig van Beethoven

Lübeck Brillantfeuerwerk mit Ludwig van Beethoven

Ein Sinfoniekonzert mit musikgeschichtlichem Zwischenakt erlebten die Besucher beim Saisonauftakt des Philharmonischen Orchesters Lübeck Sonntag in der MuK: Oliver Korte von der Musikhochschule überreichte Andreas Wolf, dem kommissarischen Generalmusikdirektor (GMD), das erste Exemplar des von ihm herausgegebenen Faksimiles von Beethovens Sinfonie Nr. 7.

Lübeck. In launiger Weise erzählte Korte, warum es 205 Jahre bis zu einem solchen Faksimile gedauert habe. Nach Beethovens Tod sei das Autograph durch verschiedene Privathände gegangen, befand sich zuletzt in der Familie Mendelssohn, die es der Königlichen Bibliothek Berlin überließ. Im Krieg wurden die Schätze der Bibliothek nach Schlesien ausgelagert. So gelangten sie nach Krakau. Dank guter Zusammenarbeit mit polnischen Stellen konnte der Band nun erstellt werden.

Von Beethovens „Sauklaue“ wurde gesprochen. Wenn man sich eingelesen habe, sei es jedoch möglich, zu sehen, was Beethoven meinte, sagte Korte und fügte hinzu: „Es ist erstaunlich, wie genau der Meister seinen Willen kundgetan hat.“

Beethovens 7. – das passte zum 120. Geburtstag, den das Lübecker Orchester in diesem Jahr feiert. Denn im Oktober 1897, beim ersten Sinfoniekonzert des neugegründeten Musikerverbandes, hatte Ugo Afferni genau dieses Werk zusammen mit der Ouvertüre „Die Weihe des Hauses“ dirigiert. Mit dem Violinkonzert op. 61 gab es beim Start in die Saison 2017/18 Beethoven pur.

Am Pult stand Erich Wächter, Lübecker GMD von 1989 bis 2001. Natürlich kennt Wächter die 7. auswendig. Er dirigierte sie als musikalisches Brillantfeuerwerk. Frisch, lebendig, feurig erklang schon der erste Satz, straff, in eindringlicher Steigerung der zweite. Das Presto kam wie ein Sturmwind daher. Kraftvoll blieb hier auch der bedächtigere Mittelteil.

Dabei wurden die dynamischen Angaben durchaus beachtet, also nicht alles derb oder gar dick serviert. Aber schwungvoller, vor allem schneller als diesen Schlusssatz kann man das Allegro con brio nicht spielen. Das Orchester ging bravourös mit.

Vor der Pause lernte das Publikum einen jungen Geiger kennen. Laurent Albrecht Breuninger spielte den Solopart in Beethovens Violinkonzert. Ausgezeichnet klappte das Zusammenspiel mit dem Orchester.

Breuninger ließ die Geige auch in höchsten Lagen noch ohne Druck singen. Atemlose Stille herrschte, wenn ein Ton im Pianissimo verklang. „Was wäre ein Sonntag ohne Johann Sebastian Bach?“, fragte Breuninger und spielte eine Zugabe aus dessen h-Moll-Partita. Konrad Dittrich

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden