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Kultur im Norden Bringt er Hamburg in die erste Liga?
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18:13 23.06.2017
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Hamburg

Der Neue ist ein alter Bekannter: Alan Gilbert wird neuer Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Der 50-jährige Amerikaner, der gerade sein Abschiedskonzert als Leiter der New Yorker Philharmoniker gegeben hat, wird im Sommer 2019 Nachfolger von Thomas Hengelbrock, der seinen Vertrag nicht verlängerte. „Alan Gilbert steht für höchste musikalische Qualität, gepaart mit großem Innovations- und Gestaltungswillen. Wir freuen uns über die Verpflichtung eines Dirigenten mit großem internationalen Renommee“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor gestern in der Elbphilharmonie.

Gilbert, der die New Yorker Philharmoniker in acht Jahren deutlich modernisierte und jetzt für fünf Jahre in Hamburg unterschrieb, war bereits von 2004 bis 2015 Erster Gastdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters. Er zeigte sich von seinem neuen Arbeitsplatz begeistert. Die Elbphilharmonie sei ein perfekter Ort, um Musik zu spielen und aufzuführen, sagte er. „Ich bin wirklich begeistert, diesen Platz gefunden zu haben.“

Dem Amerikaner wurde die klassische Musik quasi mit in die Wiege gelegt: beide Eltern spielten Geige bei den New Yorker Philharmonikern. Auch der Sohn studierte zunächst Geige und Bratsche, unter anderem in Harvard und an der Juilliard School of Music. Nach acht Jahren als Dirigent des Royal Stockholm Philharmonic Orchestra wurde Gilbert 2009 als erster gebürtiger New Yorker zum Dirigenten der dortigen Philharmoniker ernannt. Er ist mit der schwedischen Cellistin Kajsa William-Olsson verheiratet, das Paar hat drei Kinder.

Auch in Lübeck ist Gilbert kein Unbekannter. Er hat hier oft mit den NDR-Sinfonikern in der Musik- und Kongresshalle gespielt, unter anderem mit dem Geiger Frank Peter Zimmermann und auch im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals. „Souverän, fordernd und dabei tiefenentspannt“ hatte er dabei vor drei Jahren auf die Kritikerin der Lübecker Nachrichten gewirkt. „Ich bin ein Wagner-Fanatiker“, hatte er den LN 2010 in einem Interview gesagt. Und dass er nichts davon halte „moderne Stücke vor der Pause aufs Programm zu setzen und die Sahnestücke nach der Pause zu spielen“.

Über den Wechsel beim Residenzorchester der Elbphilharmonie kursierten bereits seit Wochen Gerüchte, spätestens seit es bei der Vorstellung des neuen Programms keine eindeutige Stellungnahme zu einer Vertragsverlängerung mit Hengelbrock gegeben hatte. Will sich der charismatische Freigeist tatsächlich neuen Aufgaben widmen, wie er sagte? Oder stecken doch andere Gründe hinter seinem Weggang?

Angeblich soll das einstige Bilderbuch-Verhältnis zwischen Dirigent und Orchester nach sechs Jahren in letzter Zeit nicht mehr so gut gewesen sein. Und dann gab es immer wieder Vergleiche mit all den Spitzenorchestern, die in der Elbphilharmonie aufgetreten sind und wie die Wiener Philharmoniker, die Berliner Philharmoniker oder das Chicago Symphony Orchestra auch ohne Proben mit den akustischen Herausforderungen des Saales besser zurechtkamen als das Hausorchester.

Mit dem neuen Chefdirigenten hofft der NDR nun, dass nicht nur der Saal, sondern auch das Orchester in der ersten Liga spielen wird. „Die Elbphilharmonie ist nicht die Laeiszhalle“, sagte Joachim Knuth, NDR-Programmdirektor Hörfunk, gestern mit Blick auf Hamburgs zweites Konzerthaus. „Wir wollen uns mit internationalen Orchestern messen.“ Dem Anspruch muss Gilbert genügen.

Als er 2009 die Nachfolge von Lorin Maazel bei den New Yorker Philharmonikern antrat, war er seit Leonard Bernstein der erste Amerikaner in diesem Spitzenjob der Musikwelt. Zum Abschied von seiner Geburtsstadt hatte sich der Mahler-Experte Gustav Mahlers 7. Sinfonie ausgesucht, bei seiner Rückkehr zum NDR Elbphilharmonie Orchester steht im April 2018 die 3. Sinfonie auf dem Programm.

Carola Große-Wilde

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