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Brisanter Kino-Stoff für Hollywood

Brisanter Kino-Stoff für Hollywood

Der norddeutsche Regisseur Fatih Akin geht mit dem NSU-Drama „Aus dem Nichts“ für Deutschland ins Oscar-Rennen.

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Diane Kruger als Katja und Numan Acar als ihr Ehemann Nuri in einer Szene des Films „Aus dem Nichts“.

Quelle: Fotos: Dpa

München. Mit diesem Film lief es für Fatih Akin von Anfang an gut: Erst wurde „Aus dem Nichts“ für den Wettbewerb in Cannes nominiert, dann gewann Hauptdarstellerin Diane Kruger dort im Mai die Darsteller-Palme. Und nun hat der Hamburger Regisseur mit seinem NSU-Rachedrama den ersten Schritt im Oscar-Rennen gemacht: Zumindest von deutscher Seite wurde er gestern nominiert. Für Regisseur Fatih Akin kommt die Wahl seines Films genau zum richtigen Zeitpunkt. „Ich habe morgen Geburtstag, und das ist doch ein schönes Geburtstagsgeschenk vorweg“, sagte Akin kurz nach der Bekanntgabe in München. Er wird heute 44 Jahre alt.

LN-Bild

Der norddeutsche Regisseur Fatih Akin geht mit dem NSU-Drama „Aus dem Nichts“ für Deutschland ins Oscar-Rennen.

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Akin selbst war im Visier von Neonazis

Mit „Aus dem Nichts“ hat sich ein aktuell brisanter Stoff durchgesetzt und kein gut abgehangenes Historienstück, wie es in den vergangenen Jahren immer wieder von der deutschen Auswahljury favorisiert worden war. Unter den elf Kandidaten für den deutschen Oscar-Beitrag befand sich ebenso die Flüchtlingskomödie „Willkommen bei den Hartmanns“, einer der erfolgreichsten Filme des Vorjahres. Akins grimmiges Werk wurde zu Recht als gewichtiger erachtet: Ein Bombenattentat in Hamburg tötet einen Familienvater mit türkischen Wurzeln und dessen kleinen Sohn. Die Witwe (Diane Kruger) verzweifelt an der Blindheit der deutschen Behörden, die die Täter partout nicht am rechten Rand, sondern im türkischen Drogenmilieu finden wollen. Sie entschließt sich deshalb, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen.

Akin, Gewinner des Goldenen Bären in Berlin mit „Gegen die Wand“ (2004), ist im internationalen Kino ein alter Hase. Einer, der Kino persönlich nimmt. Das galt genauso für „The Cut“ (2014) über den Genozid der Türken an den Armeniern, und das gilt auch jetzt wieder: „Vor ein paar Jahren tauchte ich selbst auf einer Neonazi-Website als Ziel auf“, hat er in Cannes im Gespräch gesagt. „Ich habe schwarze Haare, meine Eltern sind aus der Türkei, ich bin das perfekte Ziel.“

Hauptdarstellerin Kruger, geboren als Diane Heidkrüger in Hildesheim, ist ein zusätzlicher Pluspunkt: Sie hat seit „Troja“ (2004) einen Status als Hollywoodstar, muss also in den USA nicht erst bekannt gemacht werden (anders als im Vorjahr Sandra Hüller in „Toni Erdmann“). Sie drehte in „Aus dem Nichts“ das erste Mal auf Deutsch.

Man muss in „Aus dem Nichts“ nicht unbedingt ein Meisterwerk sehen, um die Entscheidung als clever zu begrüßen. Der Weg bis zur Oscar-Gala am 4. März nächsten Jahres ist allerdings noch weit: Die Oscar-Academy siebt im Januar aus allen nationalen Nennungen fünf Kandidaten aus, nur sie können letztlich in der Kategorie bester nicht-englischsprachiger Film gewinnen. Die Konkurrenz wird hart:

Zeitgleich haben die Schweden gestern Ruben Östlunds brillante Gesellschaftssatire „The Square“ für ihr Land nominiert. Und dieser Film hat in Cannes im direkten Vergleich mit Akin die Goldene Palme gewonnen.

Maria Köpf, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, freut sich über die Entscheidung der deutschen Jury. „Tolle Nachrichten aus München: Mit ,Aus dem Nichts‘ hat – nach Maren Ades Erfolgsfilm ,Toni Erdmann‘– wieder eine von uns geförderte Produktion die Chance auf eine Oscar-Nominierung. Wir freuen uns sehr darüber, auch weil wir die Entstehung des Films von Beginn an begleiten durften.“

Deutscher Kinostart ist für den 23. November geplant

Regisseur Akin sieht den weiteren Entscheidungen gelassen entgegen. „Ich vertraue dem Film, ich glaube, der Film ist sehr wuchtig“, sagte Akin über seine Chancen, für den Auslands-Oscar nominiert zu werden. Mit Blick auf die Oscar-Verleihung am 4. März des kommenden Jahres hält er den Ball flach: „Ich nehm' mir nichts vor.“ Falls sein Film nominiert werden sollte, käme er allerdings in Verlegenheit: In diesem Jahr wurde Akin in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences aufgenommen, die jährlich die Oscars vergibt. Vorher können sich die deutschen Zuschauer schon mal ein Bild von dem Film machen: Der Kinostart ist für den 23. November geplant.

Hamburger Junge

Fatih Akin wurde am 25. August 1973 als Kind türkischer Einwanderer in Hamburg geboren und wuchs im multikulturellen Stadtteil Altona auf. Auch seine Filme spielen häufig in Hamburg und greifen immer wieder das Leben zwischen verschiedenen Kulturen und Welten auf. Dazu gehören neben „Gegen die Wand“ auch die Komödie „Soul Kitchen“ mit Adam Bousdoukos und Moritz Bleibtreu sowie das Drama „Auf der anderen Seite“.

Mit seiner Frau, der Deutsch-Mexikanerin Monique Akin, und den gemeinsamen zwei Kindern lebt Akin in Hamburg.

Stefan Stosch

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