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Kultur im Norden Bronzene Besucher aus der Welt der bunten Träume
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18:10 06.12.2017
Lübeck

Die 1968 in Tübingen geborene Tamara Suhr, die heute in Ludwigsburg bei Stuttgart lebt und arbeitet, hat schon früh den Menschen ins Zentrum ihres Werkes gestellt. Es sind realistische Plastiken, die sie in Bronze gießt, kleine Gestalten mit ausdrucksvollen Gesichtern. Häufig sind Kinder das Motiv ihrer Arbeiten. Da träumt ein Junge mit rotem Schal vor sich hin, ein Mädchen angelt, andere erinnern an den kleinen Prinzen aus Saint-Exupérys klassischer Erzählung. Lapidar sind diese Darstellungen häufig, aber nie banal. Denn sie strahlen eine innere Heiterkeit auch dann aus, wenn sie abwesend oder missmutig erscheinen. Kindlich-verspielt sind diese Figuren, sie entwickeln ihren ganz eigenen Charme. Sie scheinen in einem eigenen Reich zu leben, in dem es gelassen zugeht, und laden ihre Besucher in dieses Reich ein.

Handwerklich sind die Bronzen von Tamara Suhr von hoher Qualität, das Gießen von Bronze hat die Künstlerin in Worpswede gelernt. Das Kolorit der Figuren ist zwar bunt, aber niemals aufdringlich oder grell. Auch das gehört zum Zauber dieser netten Nachbarn, die zwar hier, aber in Wirklichkeit in ihrer eigenen Welt sind.

Und diese Welt ist eine völlig andere als unsere. Das ist schon daran erkennbar, dass die Figuren übergroße Füße haben, als wenn sie sie brauchten, um sicher stehen zu können. Sie bleiben auf dem Boden, diese Plastiken.

Aber ist das der Boden der Tatsachen? Das lässt sich nicht genau beantworten. Schaut man sich etwa die Plastik eines Jungen mit hellblauen Augen an, der seinen Kopf nachdenklich geneigt hat, dann fühlt man sich beobachtet. Wie Späher, freundliche Späher, aus der anderen Welt wirken die Bronzen häufig. Wie Botschafter aus dem Reich der Träume, die irgendwie durch Vermittlung der Künstlerin den Weg zu uns gefunden haben.

Tamara Suhrs Arbeiten, die mittlerweile international gehandelt werden, bestechen durch ihre atmosphärische Dichte und durch ihre Unaufdringlichkeit. Man fühlt sich wohl in der Nähe ihrer Plastiken, die ihre Bewunderer immer zu etwas auffordern wollen. Glaubt man zumindest. Aufforderung zum Tanz, zu einem Spiel, zu einer Unterhaltung? Das muss jeder Betrachter für sich selbst entscheiden, denn die Bronzen sprechen ja nicht. Leider, möchte man sagen. Denn mit diesen Figuren aus einer scheinbar anderen Welt in den Dialog zu treten müsste ausgesprochen reizvoll sein. Jürgen Feldhoff

Galerie Koch-Westenhoff, Hüxstraße 29. Zu sehen bis zum 14. Januar.

LN

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