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Kultur im Norden Buchpreis für eine Deutschlandreise
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20:21 17.03.2016
Guntram Vesper bei der Preisverleihung gestern in Leipzig. Quelle: dpa

Um Guntram Vesper war es zuletzt ruhig geworden. Sechs Jahre lang arbeitete der Autor, einst Mitglied der Gruppe 47, an einem großen Roman über seine sächsische Geburtsstadt Frohburg. Dann legte der 74-Jährige das mehr als 1000 Seiten starke „Frohburg“ vor. „Ausufernd“ sei das Werk geworden, schreibt er darin selbst. Es hat ihm nun den mit mit 15000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse eingebracht.

„Frohburg“ ist vieles: Eine Autobiografie Vespers, ein tiefer Blick in das Deutschland der Weimarer Republik, der Nazizeit, der deutschen Teilung. Der Schöffling-Verlag nennt es ein „Geschichts- und Geschichtenpanorama, wie wir schon lange keines hatten“. Tatsächlich reiht Vesper in „Frohburg“ eine sorgsam recherchierte Geschichte an die nächste. Es ist dem Buch auf fast jeder Seite anzumerken, wie viel Aufwand und Akribie darin stecken.

Vesper verbindet Anekdoten aus seiner Familiengeschichte — einen Motorradausflug seiner Eltern, seine Polio-Erkrankung als kleiner Junge, die Übersiedlung in den Westen 1957 — mit historischen Geschehnissen. Die Materialflut ist fast erschlagend.

Der Autor schreibt dabei nicht chronologisch, sondern wechselt zwischen den Zeiten hin und her. So schafft er immer wieder Überraschungsmomente, etwa wenn er einen Dialog seiner Eltern nach der Niederlage der Wehrmacht in Stalingrad mit bissigen Bemerkungen über den aktuellen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich enden lässt, einst in der DDR stellvertretender Vorsitzender des Rates des Kreises Kamenz, „der sich in jedem tagtäglichen Sachsenspiegel des MDR zwei-, dreimal zeigen lässt, im blaßsteinernen Gesicht mit demokratisch süffisantem Lächeln, das unter den alten Verhältnissen nicht infrage gekommen wäre, undenkbar war, etwas hat er also doch gelernt, der Tillich“.

LN

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