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Kultur im Norden Buddenbrooks und Socken
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11:57 07.02.2017
An „Frau Senator Mann“: Heinrich Mann schrieb auf seinen Reisen viele Postkarten — vor allem an seine Mutter Julia. Quelle: Fotos: Thorsten Wulff, Sz Photo

Das Buddenbrookhaus hat im vergangenen Jahr ein großes Konvolut mit Autographen von Heinrich Mann erwerben können. Nicht aus eigenen Mitteln, die erforderliche Summe, die nicht genannt wurde, stellten der Bund, die Kulturstiftung der Länder und die Possehl-Stiftung zur Verfügung. Die 436 Blatt — Briefe, Postkarten und Manuskripte — stammen aus den Jahren 1891 bis 1949, der Schwerpunkt liegt auf den Jahren 1899 bis 1932. Pünktlich zur Heinrich-Mann-Tagung an diesem Wochenende sind die Autographen gescannt und inventarisiert worden, heute wird eine Ausstellung eröffnet, in der besonders eindrucksvolle Blätter zu sehen sind.

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Das Buddenbrookhaus hat Schriftstücke aus dem Nachlass von Heinrich Mann bekommen — und stellt sie jetzt aus.

„Wir sind sehr froh darüber, dass wir mit diesem Konvolut unsere Heinrich-Mann-Sammlung entscheidend erweitern konnten“, sagt Britta Dittmann, kommissarische Leiterin des Buddenbrookhauses. „Die Briefe stammen wohl aus dem Nachlass von Heinrich Manns erster Frau Maria Kanová, der er bei der Scheidung 1928 viele Autographen und Bücher überlassen hat. Von ihr gingen die Blätter auf die einzige Tochter Leonie über, deren Kinder haben sie dann dem Buddenbrookhaus angeboten, und die Stiftungen haben glücklicherweise erkannt, um was für einen Schatz es sich bei diesen Handschriften handelt.“

Die Briefe sind zum einen Zeitdokumente. Heinrich Mann äußert sich zu politischen Fragen, manchmal geradezu visionär, manchmal mit einer verblüffenden Naivität. Ende Juli 1914, wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkrieges, schrieb er in einem Briefentwurf an seinen Bruder Thomas, dass er bereits in seinem Roman „Der Untertan“ den Typus des Nationalisten beschrieben habe, der jetzt mit Jubel in den Krieg ziehen würde. Das ist wirklich visionär. Mitte 1932, ein gutes halbes Jahr vor Hitlers Machtergreifung, schrieb Heinrich Mann allerdings an seine Ex-Frau, dass er politisch keine Gefahren für sich sehe. Hitler würde, wenn er tatsächlich an die Macht käme, durch seine Koalitionspartner daran gehindert, die radikalsten Vorhaben durchzusetzen. Sieben Monate später musste Heinrich Mann fliehen. Allein 133 Post- und Briefkarten hat Heinrich Mann während seiner Italienreise Anfang des Jahrhunderts an seine Mutter Julia geschrieben. Er bevorzugte Bildpostkarten, so kann man jetzt seinen Reiseweg nachvollziehen. Neben den üblichen Grüßen aus dem sonnigen Süden finden sich auch skurrile Notizen auf den Karten. Am 30. April 1904 schrieb Heinrich an seine Mutter: „Vielen Dank für Buddenbrooks und die Socken.“

„Ein permanentes Thema in den Briefen und Karten ist das liebe Geld“, sagt Britta Dittmann. „Heinrich Mann war immer knapp bei Kasse, er hat alle möglichen Leute auch angepumpt, natürlich auch seine Mutter.“ Thomas Mann steht irgendwie immer im Hintergrund der Schreiben seines Bruders. Manchmal wird er direkt erwähnt, so auf einer Karte aus Florenz, auf der steht „Thommy ist da!“

Erhalten sind auch 43 Briefe von Arthur Schnitzler an Heinrich Mann. Darin geht es um Persönliches — beide Autoren waren befreundet —, aber auch um die Frage, welcher Verlag am besten zahlt.

„Heinrich war im Gegensatz zu seinem Bruder ein Verlagsnomade, der dort anheuerte, wo er die besten Konditionen fand“, sagt Britta Dittmann dazu. „Er musste Frau und Kind ernähren, die Tipps von Schnitzler waren da hilfreich.“

In einem Brief aus dem Jahr 1922 berichtet Schnitzler über eine Lesereise im deutschsprachigen Teil der Tschechoslowakei, dem Sudetenland. In Teplitz wurde die Lesung durch „Hakenkreuzler“ gesprengt, und Arthur Schnitzler kommentierte, dass er die Gesichter wiedererkannte. Er habe sie bereits bei den ersten antisemitischen Krawallen in Wien 40 Jahre früher gesehen — die Personen ändern sich, aber nicht der Typus.

Im Schatten des Bruders

Heinrich Mann wurde am 27. März 1871 in Lübeck geboren. Als Schriftsteller („Der Untertan“, „Die Jugend des Königs Henri Quatre“) stand er im Schatten seines Bruders Thomas.

Heinrich Mann starb 1950 in Santa Monica.

Die Ausstellung mit dem Titel „Hand/Werk“ wird am heutigen Sonnabend um 18 Uhr eröffnet und ist bis zum 1. Mai zu sehen. Zur Vernissage kommen Heinrichs Enkel Jindrich Mann und dessen Töchter Lucia und Hannah.

Die Tagung der Heinrich-Mann-Gesellschaft beginnt heute um 14 Uhr und wird morgen fortgesetzt.

Von Jürgen Feldhoff

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