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17:13 26.10.2018
Stellte seinen Roman „Vor dem Anfang“ vor: Burghart Klaußner. Quelle: 54° / John Garve
Lübeck

Großer Andrang herrschte am Donnerstagabend in den Lübecker Kammerspielen. Der Schauspieler Burghart Klaußner las aus seinem ersten Roman – und nahm seine Zuhörer gefangen.

Klaußner gehört zu den renommiertesten Charakterdarstellern der Nachkriegsgeneration. Viele Menschen nutzten die Gelegenheit, ihn live auf der Bühne des Theaters Lübeck zu erleben. Aber das Interesse galt wohl auch dem Thema seines ersten Buches. „Vor dem Anfang“ spielt im Frühling 1945 in Berlin, unmittelbar vor Kriegsende.

Vor der Lesung im Rahmen der Reihe „Der Norden liest“ des NDR-Kulturjournals interviewte Redaktionsleiter Christoph Bungartz den 1949 geborenen Klaußner. Durch Familiengeschichten und Erzählungen sei der Krieg in seiner Kindheit noch sehr präsent gewesen, sagte dieser. Er habe die Geschichte zweier Überlebens-„Helden“ erzählen wollen, die immer wieder „Lücken im Chaos“ finden. Die militärischen Hintergründe seien genau recherchiert, auch eine wahre Begebenheit spiele eine Rolle. Namen der Weltpolitik hingegen nicht – vielmehr gehe es um den damaligen Alltag der Menschen.

„Vor dem Anfang“ habe er sein Debüt genannt, weil die Bundesrepublik und unsere heutigen demokratischen Werte nicht ohne die schreckliche Vorgeschichte denkbar wären. „Und schließlich ist ja jetzt auch mein Anfang als Schriftsteller“, fügte er verschmitzt hinzu, bevor er am Lesetisch Platz nahm.

Bereits nach den ersten Sätzen war klar: Hier hat ein Künstler eine weitere Bestimmung gefunden. Plastisch ließ er seine Figuren vor dem geistigen Auge der Zuhörer erstehen. Die Charaktere sind glaubwürdig und humorvoll gezeichnet, Details der Szenerie fügen sich zu einer großen atmosphärischen Dichte zusammen. Die beiden Soldaten Fritz und Schultz stolpern durch eine absurd wirkende, rauchende Trümmerkulisse des Untergangs. Aber gerade ihr geerdeter Überlebenswille im Angesicht des Grauens vermittelt eine tröstliche Botschaft.

Burghart Klaußner faszinierte. Beim Lesen wie zuvor im Interview zog seine Persönlichkeit das Publikum in ihren Bann. Hinterher strömten die Besucher ins Foyer und zum Büchertisch, ließen sich das Werk vom Meister signieren. Der genoss das ganz offensichtlich – entspannt und gut gelaunt.

Der NDR sendet die Lesung am 27. Januar 2019 auf NDR Kultur.

Oda Rose-Oertel

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