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Kultur im Norden Zwischen Melancholie und überbordendem Tanz
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15:06 05.12.2018
Den Sound Argentiniens hat Fernando Otero in schillernden Facetten nach Lübeck gebracht. Quelle: Foto: Agentur 54°
Lübeck

Der Raum ist voll, bis zum Ende des Konzerts begnügen sich Zuhörer mit einem Stehplatz an der Theke, auch Fremde rutschen an den Tischen zusammen. Denn das CVJM Lübeck hatte am Dienstagabend hochkarätigen Besuch: Der zweifache Grammy-Preisträger Fernando Otero spielte in Begleitung des Bandoneonisten Daniel Gruselle.

Nach einer kurzen Begrüßung geht es direkt los mit einer schwermütigen Ballade. Der 46-jährige Otero malt auf dem Flügel düstere Klänge, demonstriert bereits hier alle technischen Finessen. Bald tritt Gruselle mit einer lyrischen Melodie hinzu und die Musik entwickelt sich hin zu einem abstrahierten Tango. Kaum zu glauben: Die beiden Weltklassemusiker spielen erst seit einem Jahr zusammen.

Die meisten Stücke, von Otero immer charmant moderiert, setzen auf die Dramatik zwischen ruhiger Melancholie und überbordendem Tanz. Die leisen Passagen fokussieren das Publikum, nur ab und zu wagt jemand einen gewisperten Kommentar zum Nachbarn, die ekstatischen Finale lassen dann den Applaus aufbranden. In der vielfältigen Musik des gebürtigen Argentiniers Otero mischen sich Stile, Genres und wohl auch Geschmäcker – Prokofjew geht Hand in Hand mit Bartók und dann auch wieder mit Bill Evans.

Impressionistische Mixturen flattern im Diskant vorbei, dann werden herbe expressionistische Farben über tiefe Basstöne gesetzt. Und in der Ferne hört man hin und wieder die gewichtigen Soloimprovisationen von Paul Bley aufscheinen. Überhaupt fühlt man sich ständig in einem diffusen Nebel zwischen Komposition und Improvisation, Otero lässt einen spontanen Umgang mit dem Material erkennen. Ein, zwei kleine Malheurs werden von ihm sofort aufgegriffen, umgeformt und geschickt integriert.

In der Zugabe, einem Good-Night-Duett zwischen Bandoneon und Melodica, hebt er die freie Improvisation skurril hervor und beweist einmal mehr seine Vielseitigkeit als Komponist und Musiker.

Jakob Rieke

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