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Kultur im Norden Cannes-Start mit Luft nach oben
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18:15 17.05.2017
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Cannes

ist eine Festung. Man sieht es nicht, man kann es nur ahnen und in der lokalen Zeitung nachlesen: Kriegsschiffe, gesperrter Luftraum über der Stadt, Scharfschützen, Hunderte Zivilbeamte. Und dabei geht es zehn Tage lang allein um Filme bei dem gestern Abend mit vielen Stars eröffneten Festival.

Aber dann passiert man den bei jeder Vorführung obligatorischen Scanner-Check – und die kriegerische Welt da draußen rückt in weite Ferne. Zumindest im Eröffnungsfilm: „Les fantômes d’Ismaël“ heißt dieser, und bald schon möchte man rufen: Oh là là, alles so französisch hier! Gleich drei französische Stars hat der französische Regisseur Arnaud Desplechin am Start und vertieft sich fortan wie schon in seinen vorigen Filmen („Ein Weihnachtsmärchen“, „Jimmy P.“) in die Vergangenheit seiner Charaktere.

Kinoregisseur Ismaël (Mathieu Amalric) jagt die Geister seines Lebens, und einer ist soeben wieder aufgetaucht – seine vor fast 22 Jahren ohne weitere Erklärung verschwundene Frau Carlotta (Marion Cotillard). Inzwischen lebt Ismaël mit der Astronomin Sylvia (Charlotte Gainsbourg), die ihren Stern rapide sinken sieht. Denn Carlotta möchte ihren Gatten zurück.

Fürs französische Kino hat damit das Schaulaufen begonnen. Im Wettbewerb gemeldet sind allein vier Spitzenkräfte: François Ozon mit dem Erotikthriller „L’Amant Double“, Jacques Doillon mit dem Künstlerporträt „Rodin“, Robin Campillo mit „120 Battements par Minute“. Und Michel Hazanavicius (Oscar-Gewinner mit „The Artist“) schickt mit „Les Redoutables“ einen Liebesfilm über Jean-Luc Godard ins Rennen. Das würden sich deutsche Regisseure zwei Mal überlegen: einen der ihren – und dann noch einen Lebenden! – zum Gegenstand eines Filmes zu erheben. Aber warum nicht? Im 70. Cannes-Jahr ist jedenfalls noch viel Luft nach oben. Stefan Stosch

LN

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