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Bayreuth. Der Auftakt ist daneben gegangen: Frank Castorf hat mit seiner Neuinszenierung von Richard Wagners „Das Rheingold“ einen Fehlstart hingelegt. Einen Großteil des Bayreuther Festspielpublikums kann er nicht von seiner Neuinterpretation überzeugen, hier und da gibt es bei der Premiere am Freitagabend wahre Proteststürme.

Grund genug für Castorf, sich nach der Inszenierung nicht auf der Bühne zu zeigen? Als sich Sänger und Dirigent Kirill Petrenko vor dem Publikum verbeugen, sucht man Castorf und sein Team vergeblich.

„Sie können es sich anschauen, mich dann steinigen“, hatte Castorf zuvor gesagt.

Merkwürdig uninspiriert kommt sein „Rheingold“ daher, auch wenn sich die Inszenierung alle Mühe gibt, das zu verbergen. Der Intendant der Volksbühne Berlin verfrachtet den ersten Teil von Richard Wagners Mammutwerk „Ring des Nibelungen“ in die Vereinigten Staaten der 1960er Jahre. Auf einer aufwendigen Drehbühne, die — je nach Ausrichtung — ein Motel oder eine Tankstelle an der berühmten Route 66 darstellt, wird Gott Wotan (Wolfgang Koch) zum Zuhälter und Frauenhändler, Fricka (Claudia Mahnke) und Freia (Elisabet Strid) zu seinem Eigentum und Loge (Norbert Ernst) zu einer Art frühem Paparazzo. Die Riesen Fasolt (Günther Groissböck) und Fafner (Sorin Coliban) sind bei Castorf miese Schlägertypen und die Rheintöchter (Mirella Hagen, Julia Rutigliano und Okka von der Damerau) verführerische Schönheiten, die ihre Spitzenhöschen auf eine Wäschespinne hängen. Ein Kameramann läuft stets mit.

Vieles wirkt bei Castorf wie reine Effekthascherei. Das ist streckenweise unterhaltsam, wirklich spannend aber ist anders. Zentrale Frage sei für ihn gewesen: „Was ist heute unser Gold?“, hatte er im Vorfeld gesagt. Und das sei das Öl. Gut, seine Geschichte spielt an einer Tankstelle, und einmal schüttet Loge Alberich Öl über den Kopf — weiter geht Castorfs Interpretation hier allerdings nicht. Aber es kommen ja auch noch drei Teile. Weitere Stationen des vierteiligen Zyklus sollen Aserbaidschan und die Wall Street sein.

Für die Sänger — allen voran Martin Winkler als Alberich — gibt es trotz allem berechtigten und begeisterten bis stürmisch-jubelnden Applaus. Die meiste Zustimmung aber heimst — typisch in Bayreuth — wieder der Mann am Pult ein: der künftige Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München, Kirill Petrenko.

LN