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Kultur im Norden Chapeau, Vater der tapferen Gallier!
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18:13 22.04.2017
So hat Uderzo 1959 Asterix und Obelix gezeichnet, so sehen sie bis heute aus. Quelle: Foto: Dpa

Die Charaktere des knollennasigen Asterix mit Flügelhelm und seines Hinkelstein tragenden Freundes Obelix sind natürlich reine Erfindung. Auch die Geschichten aus ihrem kleinen gallischen Dorf in der Bretagne, das sich mit Hilfe eines Zaubertranks tapfer gegen die Invasion der feindlichen Römer wehrt. Doch je älter Albert Uderzo wird – am kommenden Dienstag feiert er seinen 90. Geburtstag –, desto mehr Ähnlichkeiten entdeckt er zwischen der Welt seiner „Asterix“-Geschichten, die er gemeinsam mit René Goscinny (1926-1977) erfundenen hat, und dem heutigen Frankreich.

Die Franzosen hätten nicht gewusst, wie die wahren Gallier gewesen seien – doch heute finde er, dass die Franzosen ihnen immer mehr gleichen, sagte Uderzo in einem Interview des französischen Radiosenders Europe 1. Vor allem deren Art und Weise, die Welt zu sehen und einander zu beschimpfen, ähnle zunehmend derjenigen der Gallier aus „Asterix“. Was genau er damit meinte, sagte er nicht.

Die Asterix-Gemeinde weiß, dass die Gallier von Albert Uderzo und René Goscinny rau und barbarisch, aber herzlich sind. Der deutsche Literaturwissenschaftler und Publizist Richard Herzinger hat seine Interpretation zur Welt der Gallier in einem Artikel in der „Welt“ beschrieben: „Das kleine gallische Dorf wirkt wie der diametrale Gegenentwurf zu der kosmopolitischen US-Metropole Entenhausen.“

Uderzo hatte das Dorf in die heutige Bretagne verlegt, weil er diese Landschaft noch aus persönlichem Erleben während des Zweiten Weltkriegs kannte. Er hatte nicht das Geld, weit zu reisen.

Uderzo und Goscinny haben mit „Asterix“ die erfolgreichste französische Comic-Serie geschaffen. Uderzo hat illustriert, Goscinny geschrieben. Die Abenteuer des kleinen Galliers und seines dicken Freundes Obelix umfassen bislang 36 Alben, ein weiteres soll im kommenden Oktober erscheinen (siehe unten). Mit Band 35 wurde die Serie von dem französisch-schweizerischen Comiczeichner Didier Conrad und dem Texter Jean-Yves Ferri übernommen.

Nach dem Tod von Goscinny im Jahr 1977 produzierte Uderzo die Alben allein weiter. Doch die Kritik der Leser an der Qualität der Geschichten wurde mit den Jahren immer lauter. Im Oktober 2012 wurde schließlich der Wechsel angekündigt, auch deshalb, weil Uderzo an Arthrose leidet und nicht mehr tagelang zeichnen kann. Ratschläge gebe er noch weiterhin, erklärte er. Auch darüber hinaus ist Uderzo noch im französischen Alltag präsent. Nach dem Terroranschlag auf das Magazin „Charlie Hebdo“ veröffentlichte er 2015 eine Zeichnung, auf der Asterix und Obelix traurig die Helme abnehmen und sich – offensichtlich vor den Toten – verneigen.

Der Asterix-Erfinder wurde 1927 als Sohn italienischer Einwanderer in der Nähe von Reims geboren. Bereits als 14-Jähriger zeichnete er für einen Pariser Verlag und erfand Figuren wie den jungen Reporter Luc Junior oder den Kaperkapitän Pitt Pistol. Ende der 1940er-Jahre gehörte er zu den erfolgreichsten Zeichnern seiner Generation – trotz seiner Farbenblindheit. Doch wohlhabend machten ihn erst die millionenfach verkauften Abenteuer des kleinen Galliers.

Auch Uderzo hat etwas von seinem Comic-Helden. Er gilt als streitlustig wie Asterix. In den 1990er-Jahren zoffte er sich jahrelang vor Gericht mit dem Verlag Dargaud um die Rechte für die ersten 25 Bände. Ab 2008 stritt Uderzo mit seiner Tochter Sylvie. Er hatte seine Anteile dem Großverlag Hachette verkauft und seine Tochter als Chefin des Albert-René-Verlages entlassen. Zuletzt ging es dann darum, dass sie ihn entmündigen lassen wollte, weil sie befürchtete, Bekannte würden seinen Gesundheitszustand für eigene Zwecke ausnutzen.

Heute sei das Kriegsbeil aber begraben, sagte Albert Uderzo Radio Europe 1. Darüber sei er sehr glücklich. Denn jetzt könne er hin und wieder für sein Enkelkind zeichnen.

Band 37 erscheint

1959 trat der von René Goscinny und Albert Uderzo erschaffene Asterix samt seinen Freunden und Feinden den Siegeszug an.

Inzwischen wurden die Abenteuer weltweit mehr als 370 Millionen Mal verkauft und in 110 Sprachen und Dialekte übersetzt „Asterix in Italien“, der 37. Band der Serie, erscheint am 19. Oktober. Autoren sind Jean-Yves Ferri und Didier Conrad (beide Jahrgang 1959 wie Asterix). Thema: Obelix ist verblüfft, dass in Italien nicht nur Römer wohnen, die es mit Zauberkräften zu vermöbeln gilt. Stattdessen gibt es dort viele für ihre Unabhängigkeit von Rom kämpfende Italiker . . .

Sabine Glaubitz

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