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Chinas größter Künstler Ai Weiwei in München gelandet

Peking/München Chinas größter Künstler Ai Weiwei in München gelandet

Vier Jahre wartete Ai Weiwei auf seinen Pass. Gesten konnte der bedeutendste Künstler Chinas erstmals seit seiner Haft wieder ins Ausland reisen. Am Abend kam er in München mit dem Flugzeug an.

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Ai Weiwei wird von Sohn Lao und dessen Mutter Wang Fen in München empfangen. Auch viele Medienleute begrüßten den Regimekritiker.

Quelle: dpa

Peking. Vier Jahre wartete Ai Weiwei auf seinen Pass. Gesten konnte der bedeutendste Künstler Chinas erstmals seit seiner Haft wieder ins Ausland reisen. Am Abend kam er in München mit dem Flugzeug an. Am Flughafen erwartete ihn sein sechsjähriger Sohn Lao, den er seit einem Jahr nicht mehr gesehen hatte. Ai war von dem Medienaufgebot, das ihn begrüßte, sichtlich überrascht.

Aus Angst, dass auch das Kind Opfer der Verfolgung in China werden könnte, hatte der Künstler Lao vor einem Jahr samt Mutter — die Dokumentarfilmerin Wang Fen, eine früheren Lebensgefährtin Ais — nach Deutschland geschickt.

Zunächst will sich Ai Weiwei in München einer Nachuntersuchung unterziehen. 2009 wäre er nach einer Gehirnblutung — auch auf einem Flug nach München — beinahe gestorben. Vier Wochen zuvor hatten ihm Sicherheitsleuten in der Provinz Sichuan brutale Schläge verpasst. Im Münchner Klinikum Großhadern musste eine Notoperation gemacht werden. „Ich muss mich jetzt nochmals untersuchen lassen“, sagte Ai jetzt.

Um seine Gastprofessur an der Berliner Universität der Künste endlich anzutreten, plant der Konzeptkünstler einen Vortrag. Er scherzte vor seiner Abreise, dass er vielleicht über die Frage dozieren könnte, „wie jemand seinen Pass wiederfindet“. Den Pass hatten die Behörden nach seiner Festnahme 2011 einbehalten. 81 Tage war Ai Weiwei an einem unbekannten Ort festgehalten worden, rund um die Uhr bewacht, was er später auch in einer Kunstinstallation und einem Film verarbeitete. Es kam nie zum Prozess, nie zu einer Verurteilung. Doch ausgerechnet die britische Regierung warf ihm jetzt unter Hinweis auf diese Inhaftierung vor, in einem Visumantrag für Großbritannien eine kriminelle Vergangenheit verschwiegen zu haben.

Aus diesem Grund wurde ihm der Wunsch nach einem Sechs-Monats-Visum verwehrt, obwohl die Londoner Royal Academy of Art im September eine große Werkschau mit Ai Weiwei eröffnet. Jetzt darf der Künstler nur drei Wochen bleiben — vielleicht auch, weil im Oktober Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping London besucht.

LN

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