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Chor-Reise durch die Jahrhunderte

Lübeck Chor-Reise durch die Jahrhunderte

Nur selten haben Freunde klassischer Musik heute die Gelegenheit, bei einem Konzert den anwesenden Komponisten seiner Werke zu erleben.

Lübeck. Nur selten haben Freunde klassischer Musik heute die Gelegenheit, bei einem Konzert den anwesenden Komponisten seiner Werke zu erleben. So geschah es am Sonntag in der Lübecker Aegidienkirche, als der namhafte Chor „I Vocalisti“ unter seinem Leiter Hans-Joachim Lustig mit Werken von Ola Gjeilo auftrat. Dabei wechselten sich dessen — mittelalterlichen Mariengesängen nachempfundene — Chorsätze mit Klavierimprovisationen ab, die der junge Norweger den Stimmungen und der Geisteswelt der lateinischen Texte anzupassen verstand. Als dramaturgische Klammer der Chorsätze bildet das Motto „Ubi caritas et amor deus ibi est.“ (Wo Güte ist und Liebe, da ist Gott) eine zuversichtlich-optimistische Grundhaltung. Gjeilos Chormusik erweist sich dabei als ein Gang durch rund eineinhalb Jahrtausende katholischer Kirchenmusik. Die stilistische Vielfalt reicht vom gregorianischen Choral über das Organum und die Motetten der Notre-Dame-Epoche bis hin zur Tanzmusik der Renaissance.

Lediglich die üppige Vokalpolyphonie des 14. Jahrhunderts und der Palestrina-Stil finden sich nicht dabei, was um so mehr zu bedauern ist, als „I Vocalisti“ auch für diese komplizierte Musik prädestiniert zu sein scheinen. Die 33 Choristen verschmolzen zu einem homogenen Ensemble, das nahezu perfekt in Intonation und Artikulation auch über eine breite dynamische Ausdruckskraft verfügt.

Insgesamt war ein anregender Abend zu erleben, der zur Besinnung einlud. Dieter Kroll

LN

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