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Chorkonzert für Kenner in St. Jakobi

Lübeck Chorkonzert für Kenner in St. Jakobi

Auch wenn die Zuhörer am Freitag zu einem Konzert des NDR Chors in der Lübecker Jakobikirche weniger zahlreich als kundig und enthusiastisch erschienen waren, so ...

Lübeck. Auch wenn die Zuhörer am Freitag zu einem Konzert des NDR Chors in der Lübecker Jakobikirche weniger zahlreich als kundig und enthusiastisch erschienen waren, so galt deren Aufmerksamkeit einem eher sperrigen Programm. Unter dem Titel „Nordlicht“ erklangen Chorwerke, die dem nordeuropäischen Kulturkreis zuzuordnen sind.

Dabei wurde auch deutlich, dass der Brite Edward Elgar diesen Traditionen zugerechnet werden kann, dessen drei Chorstücke „My Love dwelt in a Northern Land“, „As Torrents in Summer“ und „Go, Song of Mine“ nach der Pause vom NDR Chor mit vorbildlicher Artikulation und schlanker Tongebung vorgetragen wurden. Überhaupt blieb die Textdeutlichkeit und der immer durchsichtig, dabei stets runde Klang des Chores ein Grundmerkmal dieses Konzertabends. Dafür bürgte aber auch der Name des Gastdirigenten, des Engländers Paul Hillier, der allen Freunden der Musik des Mittelalters wie auch der Moderne (Pärt u. a.) als Gründer des legendären Hilliard Ensembles ein Begriff ist und dessen maßstabsetzende Interpretationen bei Auftritten wie auch in zahlreichen Aufnahmen dokumentiert sind. Die suggestive Kraft, die sich nicht zuletzt aus dem Wortsinn gewinnen lässt, verblüffte auch in den anderen Chorwerken. Zusätzlich erinnerten die umrahmenden beiden modernen Stücke — der zwölfstimmige „Inuit Song“ des Isländers Áskell Másson (Jg. 1953) und das dreiteilige „Wie ein Kind“ des Dänen Per Nørgård (Jahrgang 1932) — durch witzige Laut- und Geräuschimitationen an die Musik des Dada-Kreises um Kurt Schwitters der 1920er Jahre. Sibelius‘ „Rakavasta“ op. 14 ist ähnlich von der (deutschen) Spätromantik beeinflusst wie Griegs Vier Psalmen op. 74 mit ausgedehnteren Solopassagen, die der Bariton Dávid Csizmár mit geradem Ton und vibratoarm vorzutragen wusste.

Am Ende dankten die Zuhörer ausgiebig für die virtuose Meisterschaft des NDR Chores. Als Zugabe erklang stilsicher eine Motette über den Choral „O Lamm Gottes unschuldig“ von Johann Eccard aus dem 16. Jahrhundert.

Dieter Kroll

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