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23:23 26.09.2013
Festivalstart im Mojo-Club mit Veranstalter Alexander Schulz, Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bürgermeister Olaf Scholz (v.l.). Quelle: Foto: dpa

Dicht an dicht drängen sich die Besucher in der Bar des Kiezclubs Molotow. Während das Milchbubi-Quintett „Der Ringer“ Phrasen wie „Ich blute aus“ und „zum Scheitern verurteilt“ in den stickigen Raum absondert, drängen sich Neugierige um die Newcomer. Im Keller des von der Schließung bedrohten Musikclubs intonieren derweil Octa Logue psychedelischen Bluesrock.

Schräg gegenüber zieht sich die Schlange vor dem Imperial-Theater hunderte von Metern bis vor einen Sexshop — man will keinesfalls die Berliner Formation Abby verpassen.

Vier Tage lang brodelt es beim Reeperbahn-Festival wieder in jeder Ecke St. Paulis. In Clubs mit Namen wie „Affenfaust“ oder „Hasenschaukel“, in Table-Dance-Bars und Galerien, auf Schiffen oder im Clubheim des FC St. Pauli wummern die Bässe, vernetzen sich Musiker, bestaunen Rockfans Kunstausstellungen. Was 2006 als überschaubare Spielwiese für die Musikgemeinde begann, mauserte sich zu Deutschlands größtem Clubfestival. Das freut auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), der das Festival im wiederbelebten Mojo-Club gemeinsam mit Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) eröffnete und eine Förderung der „Leuchtturmveranstaltung“ durch den Bund versprach.

Das Reeperbahnfestival versteht sich inzwischen als Seismograph der Musikkultur und Kreativwirtschaft. Unter dem Motto „Talents, Trends and Trade“ sind bis Sonnabend 300 Konzerte sowie Veranstaltungen mit Film, Literatur und Kunst zu erleben. So zeigt Hauke Niether, Graffiti- und Streetart- Künstler aus Lübeck, seine ausdrucksstarken Acrylbilder in der Kneipe „Möwe Sturzflug“.

Die Rubrik „Wunderkinder“ rückt den deutschen Nachwuchs ins Rampenlicht. MTV-Legende Ray Cokes präsentiert in der „Reeperbahn-Revue“ seine Favoriten. Zu den bekannteren Künstlern zählen der Brite James Blunt, People- help-the-people-Sängerin Birdy und die Lokalmatadoren von Kettcar, die sich mit ihrem Auftritt in eine längere Pause verabschieden. Mit ihrem Musikprojekt „Gloria“ präsentieren sich Moderator Claas Heufer-Umlauf und Wir- sind-Helden-Bassist Marc Tavassol als Duo.

2800 Vertreter aus Musikindustrie und Kultur — darunter Bestsellerautorin Cornelia Funke und Eurhythmics-Mastermind Dave Stewart — diskutieren in Konferenzen über digitale Umwälzungen und die Trends der Branche. Erstmals werden auch Musikfestivals prämiert — der Name des Preises: „Der Helga“.

Preis für den LiveCV
Der Lübecker Jazzclub LiveCV ist auf dem Reeperbahnfestival mit dem erstmals vergebenen „Spielstättenprogrammpreis Rock, Pop, Jazz“ ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wurde vom Kulturbeauftragten der Bundesregierung in drei Kategorien an 55 Veranstalter für „kulturell herausragende Programme“ vergeben.

LiveCV-Organisator Jochen Lipfert freut sich über die Auszeichnung. Das Geld soll den Künstlern zugute kommen und helfen, das Equipment des Clubs zu verbessern.

Alexander Bösch

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