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Kultur im Norden Lust an der Provokation
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15:08 08.10.2018
Wenn der Deutsche eine Faust macht: Felix Lobrecht traf den Nerv seiner Zuhörer im Lübecker Kolosseum. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Zuerst wird mal draufgehauen. „Es ist richtig kacke, in Lübeck wegzugeh’n“, ätzt Felix Lobrecht. Er habe mit seinem Bruder, der auch sein Manager ist, einen Club gesucht, unter anderem „in dieser komischen Clemensstraße, wo die kaputten nutzlosen Studenten rumhängen. Aber nischt. Janischt. Naja.“ Die Besucher im Kolosseum lachen und stimmen klatschend zu.

Sie sind um die 30, also Generation Lobrecht – dieses durchtrainierten Typen auf der Bühne mit engen Jeans, Goldkette und weißem T-Shirt mit Gucci-Aufdruck, der in den nächsten zwei Stunden über Deutsche, Kanaken, Rassisten, „Schwuchteln“, ehrlose Abende im Suff, den Abschied von der Jugendlichkeit, fette Familienväter, nervende Babys und eine Krähe im Wohnzimmer erzählen und damit für Dauergelächter sorgen wird.

Felix Lobrecht ist 29, kommt aus Berlin, und da kann man es schon mal „kacke finden“, in Lübeck wegzugehen. Er gehört nicht zu denen, die man aus Funk und Fernsehen kennt, und doch war der Abend im Kolosseum seit Langem ausverkauft – Bekanntheit funktioniert über soziale Medien.

Aufgewachsen ist Lobrecht mit seinen Geschwistern bei seinem alleinerziehenden Vater in Berlin-Neukölln. Nach dem Rausschmiss am Gymnasium machte er den Realschulabschluss, schlug sich mit Jobs durch, schaffte die Fachhochschul- und Hochschulreife, begann ein Journalismus- und Politikstudium, doch die Bühne reizte mehr – zunächst mit Poetry Slam, seit drei Jahren mit Stand-up-Comedy.

Einen Stehtisch, ein Getränk, ein Mikro, mehr braucht er nicht. Meist sind es Alltagsgeschichten, die er mit derbem Witz, Lust an der Provokation und Berliner Schnauze beschreibt. Immer wieder spielt er mit dem Thema Rassismus. Deutsche seien nie cool-cool, nur Ausländer („Deutsche sind Brillen, Ausländer Sonnenbrillen“), um dann immer wieder den kleinen Rassisten raushängen zu lassen. Was Felix Lobrecht erzählt, hat – wie auch in seinen zwei Romanen – mit eigenen Erfahrungen zu tun: wenn er mit seinen 29 Jahren hadert, langsam spießig zu werden scheint und das ewige WG- und Studentenleben uncool findet („Es gibt eine Grenze zwischen jung geblieben und hängen geblieben“). Und er kann Selbstironie. Berühmt sei er nicht, „nur ein bisschen fame“ („Ich könnte mit dem Cousin von der Katzenberg beim Promi-Dinner mitmachen, dafür reicht’s.“) Erst komme der „Hype“ (so der Name seines aktuellen Programms) und dann nichts mehr, sagt er zum Schluss. Das dürfte auf ihn nicht zutreffen. Am Sonntag hat er jedenfalls den Deutschen Comedypreis als Newcomer des Jahres erhalten. Herzlichen Glückwunsch.

Wegen der großen Nachfrage gibt es einen Zusatztermin: Am 12. Februar 2019 im Kolosseum Lübeck

Petra Haase

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