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Comic-Oper und Grass-Spektakel

Lübeck Comic-Oper und Grass-Spektakel

Die Spielzeit 2016/17 am Theater Lübeck - Es gibt Schwergewichte, aber auch sehr Vergnügliches.

Lübeck. Das Theater Lübeck hat gestern den Spielplan für die Saison 2016/17 vorgestellt. Im Musiktheater wird es acht Premieren im Großen Haus und zwei Produktionen für Kinder geben. Im Schauspiel stehen insgesamt zwölf Neuinszenierungen an.

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Die Spielzeit 2016/17 am Theater Lübeck - Es gibt Schwergewichte, aber auch sehr Vergnügliches.

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„Theater muss auch etwas wagen, nicht nur ,Ach wie schön‘ als Reaktion hervorrufen.“ Kultursenatorin

Kathrin Weiher

Das Musiktheater

Generalmusikdirektor Ryusuke Numajiri und Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein haben einen Spielplan mit einigen ungewöhnlichen Elementen zusammengestellt. Am deutlichsten ragt aus dem Mainstream die Comic-Inszenierung der Oper „Die Reise nach Reims“ von Rossini heraus. Die Multimedia-Inszenierung ist eine Koproduktion mit dem Theater Kiel und dem Theater Verona. Gespielt wird vor einer Leinwand, auf der sich die Comic-Figuren von Joshua Held tummeln. So ergibt sich ein ganz neuer Operneindruck, irgendwo zwischen Rossini und Roger Rabbit (Premiere: 5. Mai 2017).

Ungewöhnlich ist auch das Stück, mit dem das Theater auf das Reformationsjubiläum 2017 eingehen will. „Mass“ von Leonard Bernstein lässt sich keinem Genre zuordnen, der Komponist hat es „Theaterstück für Sänger, Spieler und Tänzer“ genannt. Orientiert an der katholischen Liturgie wird die Geschichte eines Priesters und seiner Gemeinde in einer Glaubenskrise erzählt (Premiere: 17. März 2017).

Und auch einen echten Star hat das Haus in der Beckergrube 2016/2017 zu bieten. Gitte Hænning übernimmt die Rolle der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond in Andrew Lloyd Webbers Musical „Sunset Boulevard“ (Premiere: 21. Oktober). Gitte begann ihre Karriere als Schlagersängerin („Ich will 'nen Cowboy als Mann“), wechselte aber zu Jazz, Chanson und Musical.

Einer der Berserker unter den jüngeren Musiktheater-Regisseuren wird in der kommenden Saison sein Debüt am Theater Lübeck geben. Tilman Knabe inszeniert Puccinis Opern-Krimi „Tosca“. Knabe hat in seinen Inszenierungen oftmals verstörende Sex-und Gewaltszenen eingebaut, die beim Publikum auf wenig Gegenliebe stießen. Zu sehen ab 18. November.

Wolf Widder ist eine Art Regie- Allzweckwaffe am Theater Lübeck. Seine „West Side Story“ wird auch 2016/17 zu sehen sein. Nach Bernsteins Musical wendet er sich der Barockoper zu. Händels „Ariodante“

setzt nach einjähriger Pause die Reihe der Opern aus der Zeit vor Mozart fort (Premiere: 10. November).

Zwei Schwergewichte setzen Anfangs- und Schlusspunkt der Saison. Mit Richard Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ beginnt die neue Spielzeit am 10. September, mit Richard Wagners „Der fliegende Holländer“

endet sie (Premiere: 9. Juni 2017). Beide Opern werden von Ryusuke Numajiri dirigiert, der „Holländer“ wird seine letzte Produktion am Theater Lübeck sein.

Für Kinder gibt es zwei Inszenierungen. „Odysseus“, Kooperation mit der Taschenoper Lübeck, arbeitet mit der Musik von Claudio Monteverdi. „Zarina auf dem Zeitstrahl“ ist Tanztheater für Kinder.

Das Schauspiel

Schauspieldirektor Pit Holzwarth nimmt seine zehnte Lübecker Spielzeit in Angriff. Er wird dem Theater weiter erhalten bleiben — sein Vertrag wurde bis 2020 verlängert.

Holzwarth, der von Beginn seiner Tätigkeit in der Beckergrube an dem Schauspiel mit der Dramatisierung der Romane von Thomas Mann einen großes Gewicht gab, legt nach: „Die Blechtrommel“, der Jahrhundertroman von Günter Grass, wurde vom namhaften Autor Peter Schanz für die Bühne eingerichtet. Regie führt der in Lübeck inzwischen unentbehrliche Andreas Nathusius, der hier unter anderem mit Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ Eindruck hinterließ. Blechtrommler Oskar Matzerath war zwar bereits in Hamburg am Thalia Theater in einer bemerkenswerten Fassung zu sehen, Lübeck sieht sich aber als Heimstatt der Grass-Figur, seine Geschichte soll laut Dramaturgin Anja Sackarendt bis in die Gegenwart verfolgt werden. Es gehe dabei auch um Flucht und Vertreibung (Premiere: 1. Oktober) Von Ausgrenzung und Demütigung handelt Shakespeares Drama „Der Kaufmann von Venedig“, mit dem die Sprechtheater-Spielzeit am 23. September eröffnet wird. Regie führt Shakespeare-Experte Holzwarth selbst, er muss sich auch mit dem im „Kaufmann“ eingeschriebenen Antisemitismus auseinandersetzen. Ein neues Stück steht mit „Lehman Brothers — Aufstieg und Fall einer Dynastie“ am 25.

November auf dem Programm. Der Italiener Stefano Massi versucht darin, die Affäre um die Investmentbank, die 2008 eine folgenschwere Pleite hinlegte, aus ihrer Geschichte heraus zu erklären.

Ansonsten geht es heiter zu: mit einem Abend über die Comedian Harmonists („In der Bar ,Zum Krokodil‘“, Premiere: 18. Februar 2017), beim Musical „Spamalot“ sowieso — ein Stoff der legendären Komikertruppe Monthy Python (ab 6. Mai 2017). Und Michael Wallners Weihnachtsstück „Tom Sawyer, Huckleberry Finn und die gute Fee vom Mississippi“ (2. Dezember) soll „ein sinnliches Vergnügen“

(Sackarendt) über Freundschaft werden — nicht nur für Kinder.

Von Jürgen Feldhoff und Michael Berger

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