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Comic-Oper verbindet Kiel und Lübeck

Kiel Comic-Oper verbindet Kiel und Lübeck

Reale Sänger in einer Trickfilm-Kulisse — Rossinis „Reise nach Reims“ wird in beiden Städten aufgeführt.

Kiel. Nach dem Ballett lassen die Theater in Kiel und Lübeck jetzt zwar nicht die Puppen, aber immerhin die Strichmännchen gemeinsam tanzen. Gegenstand einer groß

angelegten Kooperation zwischen den Häusern ist ein Brückenschlag in die norditalienische Opernstadt Verona, wo Gioachinos Rossinis Komödie „Il Barbiere di Seviglia“ als pralle Vorbühnen-Inszenierung mit riesigen Comic-Animationen hinterlegt wurde.

Die Begeisterung von Kiels Operndirektor Reinhard Linden darüber war groß genug, um die Theaterchefs Daniel Karasek (Kiel) und Christian Schwandt (Lübeck) für den kühnen Plan zu gewinnen, Vergleichbares auch in Schleswig-Holstein zu wagen: mit Rossins herrlich belcantistisch überkandidelter Europa-Farce „Die Reise nach Reims“. Der Cartoonist und Illustrator Joshua Held liefert die Zeichentrick-Animationen, und der Regisseur Pier Francesco Maestrini passt seine Inszenierung daran an.

„Zwei Theater können sich gemeinsam etwas leisten, was sie sich sonst alleine nicht leisten könnten“, freut sich Karasek über den Schulterschluss. Vor allem die Verfilmung der Comic-Strips ist finanziell aufwändig. Und Schwandt verweist darauf, das sein „kleines Haus“ ohnehin seit Jahren mit geschickt gewählten Kooperationen den Spielbetrieb in Schwung halte. Hier sieht er eine „großartige Idee“ angebahnt, die mit den koordinierten Proben in den beiden Städten und mit der bloßen Leinwand als Bühnenbild zudem den theatertechnischen Betrieb entlaste.

Und wie hat man sich das Ergebnis dann konkret vorzustellen? Lübecks Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein verweist auf die gefeierte Zauberflöte, die Barry Kosky an der Komischen Oper Berlin in Stummfilmästhetik und mit Animationen zum Hit machte. Sie könnte auch den neuen Mozart-„Figaro“ an der Staatsoper Hamburg nennen, wo die projizierten Noten ein freches Comic-Eigenleben entwickeln.

Doch darf Kost-Tolmein ein „neues Herangehen an die Oper“ auch für die Kiel-Lübeck-Connection als bislang so noch nicht dagewesen verbuchen.

Die opulente Besetzung von Rossinis königlicher Oper will man in beiden Häusern getrennt aus dem Ensemble heraus und mit gezielt geladenen, aber ebenfalls nicht zwangsläufig identischen Gastsängern füllen. Neben dem Regieteam wird der Dirigent sowohl an der Trave wie an der Förde identisch sein: Kiels neuer Erster Kapellmeister Daniel Carlberg. Dass die norddeutsche Version von „Il viaggio a Reims“ dann in einer der kommenden Spielzeiten am Teatro Filarmonico von Verona zu sehen sein wird und der dortige „Barbier“ nach Kiel und Lübeck kommt, komplettiert das Rossini-Dreieck.

Mit Zufriedenheit schaut die Landesregierung auf das Projekt, das am 28. Januar 2017 in Kiel und danach am 4. Februar in Lübeck Premiere feiern soll. Kulturministerin Anke Spoorendonk sieht ein kulturpolitisches Ziel erfüllt und die Theaterlandschaft gefestigt. Unter solchen Bedingungen habe man die Zuwendungen aus dem Finanzausgleich gerne wieder dynamisiert. Spoorendonk: „Durch die Comics lassen sich neue Zielgruppen gewinnen. Das ist mehr als ein Zweckbündnis, sogar noch mehr als eine Win-win-Situation: ein Quantensprung.“ Und Karasek stellt klar: „Jedes der beteiligten Theater gibt für die Produktion nicht mehr aus als sonst.“ Für eine Oper seien zwischen 30000 und 50000 Euro fällig. Spürbar war gestern die Hoffnung, in jeweils einem Dutzend Aufführungen ein großes Publikum zu erreichen.

Von Christian Strehk

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