Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 8 ° Regen

Navigation:
„Cool ist Metal immer noch nicht“

„Cool ist Metal immer noch nicht“

Der Autor Frank Schäfer schreibt Bücher, mag Heavy Metal und fährt seit Jahren nach Wacken.

Heute startet das Festival in Wacken, Sie sind in diesem Jahr zum 15. Mal dabei. Die Kritik, das sei alles nur noch ein großer Rummel, schreckt Sie offenbar nicht.

Frank Schäfer: Diese ganze Kommerzialisierung gibt es natürlich, aber es gibt eben auch immer noch genug Musik. Mich interessieren gar nicht mal so sehr die großen Acts. Abseits gibt es ja kleinere Bühnen, da spielen in diesem Jahr Bands wie Kadavar, Ross the Boss, Grand Magus, Prong oder The Dillinger Escape Plan. Die guck ich mir an.

Sie haben ja selbst in einer Metalband gespielt.

Mittlerweile nicht mehr. Ich habe die Gitarre noch da und halte die Finger geschmeidig, aber für Bandarbeit reicht es nicht. Wir haben das damals semiprofessionell betrieben und uns alle zwei Tage im Übungsraum getroffen, aber die Zeit habe ich einfach nicht mehr.

Was fasziniert Sie so am Metal, und das schon all die Jahre?

Es war meine Jugendbewegung. In den Achtzigern fing die Szene an, sich zu konsolidieren, da war ich mit 15, 16 dabei. Und Metal klingt mitnichten immer gleich, auch wenn es immer wieder behauptet wird. Keine Musikrichtung ist so heterogen, so unterschiedlich und auch so farbenreich wie diese. Man muss sie nur mal in ihrer ganzen Bandbreite hören, die ganzen Crossover-Sachen mit Klassik, Blues oder SiebzigerjahreProgrock.

Die jüngste Kombination ist Metal und Gospel. Darauf wäre man auch nicht gekommen.

Allerdings.

Erzählt Heavy Metal etwas über die Gegenwart, über die Welt?

Immer, klar. Metal ist ja angetreten mit dem Anspruch: Fuck you! Diese Punk-Geste hat Metal für sich vereinnahmt, ohne im eigentlichen Sinne politisch zu sein und die Gesellschaft verändern zu wollen. Das ist dann in der Tat diese Punk-Attitüde. Der Metalhead schreit es raus und geht am Montag wieder zur Arbeit. Es ist ein Ausagieren von Frust oder was auch immer. Er ist im Grunde doch ein eher konservativer Geist und hat sich mit den Umständen halbwegs arrangiert.

Und inzwischen steht Metallica neben Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart im Feuilleton.

Das konnte man nicht unbedingt voraussehen. Aber durch diverse Autoren, die den Metal wirklich ernst genommen und darüber auf einem Niveau jenseits der Fanzines geschrieben haben, ist er für das Feuilleton wahrnehmbar geworden. Cool ist Metal trotzdem immer noch nicht. Wer cool sein will, sollte etwas anderes hören.

Der Kulturbetrieb ist also nicht voll von Metalfans, aber sie haben sich in die vorderen Reihen gekämpft?

Richtig, wobei gerade Metallica ja auch eine Popband und über die Maßen erfolgreich ist. In Teilen der Szene haben sie heute einen schlechten Stand, auch wenn ihre letzten beiden Alben Metal-Alben waren. Eine deutsche Band wie Kreator taucht ebenfalls im Feuilleton auf, aber die sind auch Nummer eins der Verkaufscharts gewesen, weil Metalfans tatsächlich noch CDs kaufen.

Wobei Metal aber im Grunde eine Sache weißer Bands ist.

Es gibt schon Gegenbeispiele. Aber alles in allem stimmt das, auch wenn Metal längst nicht mehr die Musik der weißen Unterschicht ist. Was aber auffällt, ist der wachsende weibliche Anteil. Ich war gerade auf einer Metal-Kreuzfahrt, da waren 30 bis 40 Prozent Frauen an Bord. Das wächst stetig. Und in Wacken war das schon länger zu beobachten.

Was könnte die nächste Innovation im Metalbereich sein?

Schwer zu sagen. Vielleicht die Kombination mit dem Garagenrock der frühen Sechzigerjahre, das ist noch recht unentdeckt. Aber absolut unter Vorbehalt.

Welche drei Metal-Alben sollte man im Schrank stehen haben?

Drei? Es müssten eigentlich 300 sein, aber trotzdem: „Killers“ von Iron Maiden gehört wohl dazu, „Kill ’Em All“ von Metallica. Und vielleicht „British Steel“ von Judas Priest. Aber auch das ist unter Vorbehalt.

 

Interview: Peter Intelmann

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden