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DER MODERNE MANN

Lübeck DER MODERNE MANN

Ein Ding eben — so ein Rollding.

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Maximilian Buddenbohm

Lübeck. Es gibt Dinge, über die kann ich eigentlich nicht schreiben. Nicht, weil die Redaktion mich irgendwie einschränken würde, das tat sie noch nie, ich habe verblüffend freie Bahn. Nein, ich kann nicht darüber schreiben, weil diese Dinge keinen vernünftigen Namen haben. Ich müsste in jedem zweiten Satz „das Dings“ sagen, und wie sähe das aus?

Ich denke da z.B. an diese neuen Sportgeräte, diese elektrischen Rollbretter mit zwei parallel seitlich angebrachten Rädern, die sich beim Fahren ausbalancieren, ohne dass man die Hände benutzen müsste. Man lenkt, beschleunigt und bremst nur mit Gleichgewichtsverlagerung, man könnte die Hände sogar in den Hosentaschen lassen. Falls Sie nicht wissen, was ich meine, das sind diese Fortbewegungsmittel, die absurd unwahrscheinlich nach Science- Fiction aussehen, dennoch funktionieren und immer öfter auf den Fußwegen in der Stadt zu sehen sind. Die haben keinen Namen, jedenfalls keinen, den wir alle verstehen würden. Man nennt sie Hoverboards, Mini-Segways, E-Boards, Elektroboards oder Self-Balancing Boards. Keine dieser Bezeichnungen hat sich durchgesetzt, man muss, wenn man diese irren Teile im Straßenverkehr sieht, „Guck mal, da ist wieder so ein Ding“ sagen, dann wird man vielleicht verstanden. Ein Ding eben, ein Rollding.

Ich habe den Rolldingern etwas nachrecherchiert, weil das Fahren damit so toll aussieht. Ich habe gelesen, dass man sie auf öffentlichen Wegen gar nicht fahren darf, sie sind offiziell nicht zugelassen. Und fast möchte man da doch ein wenig stolz auf die großartige Regelungswut in diesem Land sein — denn wir können etwas verbieten, noch bevor wir es überhaupt benennen können. Ich finde, das ist eine Leistung.

LN

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