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DER MODERNE MANN

DER MODERNE MANN

Norddeutsche Begegnugen.

Neulich war ich im Wald, ab und zu soll man den Kindern etwas Natur zeigen. Da stand ich zwischendurch auf einer Brücke, über die der Waldweg führte. Ich stand, lehnte am Geländer und sah den blaufunkelnden Libellen über dem Wasser zu, die Söhne standen mit den Füßen natürlich im Bach, wozu ist der aus Kindersicht sonst da. Ein Radfahrer kam über die Brücke gefahren, sah mich und sagte „Moin“. Das sagte ich auch: „Moin.“

Ein paar Sekunden später kam dann eine Radfahrerin, die mich auch sah und „Moin“ sagte, was ich ebenso erwiderte, und dicht hinter ihr kam noch eine – und dann kamen noch mehr und noch mehr und noch mehr, es war nämlich eine Radtour, die da vorbeikam, und keine kleine. Die fuhren alle in langgezogener Gruppe hintereinander, ganz gemütlich fuhren die, das hatte keinen sportlichen Charakter. Und alle sagten im Vorbeifahren „Moin“, was ich etwa zwanzigmal genauso erwiderte, und mehr sagte an dieser Brücke kein Mensch, wozu auch.

Die Sonne glitzerte im Bach, die Söhne warfen Steinchen, und als die Radtour durch war, war es einen Augenblick ganz ruhig im Wald. Dann kam eine junge Reiterin auf einem Pferd im Schritt über die Brücke, und was sie von oben grüßend zu mir sagte, das kann man sich jetzt denken. Ich stand und lehnte immer weiter am Geländer.

Und das Ganze war keine Filmszene, kein Werbespot für Norddeutschland, kein PR-Video des Tourismusverbandes. Es war einfach normal und ganz durchschnittlich und sehr wirklich und alltäglich, und gerade deswegen hätte ich mir in dem Moment einen Menschen aus einem anderen Teil Deutschlands an die Seite gewünscht, einen aus Köln oder München oder Stuttgart vielleicht. Nur um mal zu zeigen: Wir sind hier wirklich alle so. Das glaubt einem doch sonst kein Mensch.

LN

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