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DER MODERNE MANN

DER MODERNE MANN

Respekt!.

Es ist gar nicht so einfach, Kinder als Vater zu beeindrucken. Das muss man auch nicht, schon klar, man soll und will ja kein Angeber sein. Nur ab und zu etwas Eindruck machen, so dass sie ein wenig staunen ... Das wäre manchmal doch ganz nett. Ich habe aber einen Bürojob, meine Söhne werden mich also nicht für körperliche Leistungen bei der Arbeit bewundern. Sicher auch nicht für meine Geschicklichkeit. Ich tippe an einem Computer, das macht einfach nichts her.

Ich vollbringe auch keine Heldentaten, ich bin kein Wikinger auf Abenteuerfahrt, sondern Schreibtischmensch mit Bauchansatz. Mit Allgemeinbildung kann man Kindern heute auch nicht mehr kommen. Die wissen genau, dass man alles online nachschlagen kann. Was ist es da noch wert, eine Jahreszahl aus der Geschichte zu wissen oder ein Gedicht aufsagen zu können? Zu wenig. Ich kann kochen, das kann vielleicht nicht jeder. Aber sie mögen das meistens nicht, was ich ihnen vorsetze, wie alle Kinder sind sie bei dem Thema schwierig, das nützt also auch nichts. Sonst habe ich keine vorzeigbaren Hobbys, ich spiele in keiner Band, ich spiele nicht Fußball, ich habe kein Pferd und kein Segelboot, es ist fast hoffnungslos. Aber ich habe jetzt doch etwas gefunden!

Ich kann essen. Sogar Labskaus. Das habe ich mir im Restaurant bestellt, eine große Portion mit Matjes und Bismarckhering und Spiegelei und Gewürzgurke obendrauf – und ich habe alles alleine aufgegessen. Vor ihren Augen.

Labskaus kannten die Söhne bisher nicht, schon Anblick und Geruch fanden sie, um es diplomatisch auszudrücken, beunruhigend. Und da sah ich ihnen an, dass sie doch einmal dachten: „Unser Vater. So ein Teufelskerl.“ Was ich sagen wollte: Es lohnt sich wirklich, die norddeutsche Küche wieder zu entdecken.

LN

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