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DER MODERNE MANN

DER MODERNE MANN

Auf einen Kaffee.

Ich gewöhne mir jetzt den Unsinn mit dem Coffee to go ab. Es ist eine Umweltsauerei mit den Einwegbechern, das ist mir peinlich, zumal ich auch Texte über Ökothemen schreibe. Ich kaufe also keinen Mitnehmkaffee mehr. Ich habe aber dennoch dauernd Kaffeedurst, versteht sich. Ich könnte einen eigenen Becher dabeihaben, aber an den müsste ich immer denken, das ist eher chancenlos. Da habe ich mich also einfach mal wieder hingesetzt, wie es früher alle getan haben, und ich habe einen Kaffee ganz altmodisch im Café getrunken. Mit Zurücklehnen und Durchatmen und sogar ohne Handy in der Hand!

Ganz beschäftigungslos.

Ich habe in die Gegend geguckt, das war auch einmal üblich so, die Älteren erinnern sich. Leere Zeit, Pause, das war normal, das haben alle dauernd gemacht, es ist nicht lange her. Das war, bevor die Menschen auf die irre Idee kamen, noch mehr erledigen zu können, immer noch effizienter zu sein, weswegen wir dann auch diese Becher eingeführt haben, mit denen wir jetzt hektisch herumlaufen. Das war eine sehr interessante Erfahrung da im Café, man ist das ja nicht mehr gewohnt. Denn was passiert, wenn man sitzt und nichts macht? Erlebt man diese legendäre Entspannung, von der immer alle reden? Ja, von wegen! Es dauert keine Minute, dann fallen einem tausend Sachen an, die man erledigen müsste oder wollte, es fallen einem aber auch spontan alle Arten von ungelösten Fragen und verdrängten Problemen, Ängsten und Sorgen ein.

Man hält die Business-Typen, die da draußen mit den heißen Pappbechern emsig von Termin zu Termin rennen, leicht für den leistungs- und damit auch leidensfähigen Teil der Gesellschaft – aber das stimmt nicht. Ruhig herumsitzende Menschen können in Wahrheit viel mehr ab. Zum Beispiel sich selbst.

LN

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