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Kultur im Norden Dänin aus Norwegen auf Spurensuche in Deutschland
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19:13 02.11.2017
Die Hülle eines Gipsabdrucks von heilenden Händen: Die Dänin Amalia Fonfara stellt im Rahmen der Nordischen Filmtage im K70 aus. Quelle: Foto: Dku
Lübeck

Die Quelle, aus der ihre Kunst gespeist wird, liegt in ihren Wurzeln. Amalia Fonfaras Großvater war deutscher Soldat in der NS-Zeit, stationiert in Dänemark. Ihre Großmutter ist Dänin. Der deutsche Großvater hat ihre dänische Großmutter mit dem Kind sitzen gelassen. Dieses Kind, Amalias Vater, ging als Erwachsener als Robbenjäger nach Grönland. Dort lernte er Amalias Mutter kennen. Die Dänin arbeitete dort als Lehrerin.

Amalia Fonfara ist 1985 in Grönland in Nanaotalik („Stadt der Bären“) geboren. Ihre Eltern zogen später nach Nordjütland. Zum Studium ging sie nach Norwegen, machte ihren Bachelor der Schönen Künste in Trondheim an der Norwegian University of Science and Technology und schloss ein Masterstudium an, das sie 2015 beendete. Parallel dazu besuchte sie eine private Schule, an der alternative Medizin, „Healing“, unterrichtet wird. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Schamanismus in Dänemark. Am Ende einer persönlichen Krise stand die Erkenntnis: Alles ist mit allem verbunden.

Sie nahm Kontakt zu einer Gruppe von Heilern in Trondheim auf, recherchierte eineinhalb Jahre lang. Es entstand die bewegende Sound-und-Video-Installation „Sensations of Places“, die jetzt im Kunstraum K70 zu sehen ist. Im Zentrum steht „Falstadt“ in Trondheim, heute Museum und Gedenkstätte, während der NS-Zeit ein norwegisches KZ. Diesem Ort gilt das Bemühen der Heiler – sie versuchen, die negative Energie dieser einst unseligen Stätte in positive zu verwandeln. „Man muss sich erst mit dem Bösen konfrontieren, um Raum für das Gute zu schaffen“, heißt es im Video – die norwegischen Dialoge sind Englisch untertitelt. Einen Teil der Wand im K70 hat Amalia Fonfara gelb gestrichen – in der Farbe der Fassade von Falstad. In derselben heiteren Farbe sind die kleinen Podeste, auf denen sie Gipsabdrücke von den Händen der Heiler ausstellt. Ihre Fotos sind Standbilder aus dem Film, meditative Naturstudien, ästhetisiert durch Überblendung und Unterbelichtungen. Mit dem Video folgt die Künstlerin den Spuren der eigenen und der kollektiven Geschichte.

Auch ihr Kurzfilm „Qooqu –Litte bird“ ist eine Reise in die Vergangenheit, an den Ort ihrer Kindheit in Grönland. Die Künstlerin, die eine unglaubliche Ruhe, Heiterkeit und Freundlichkeit ausstrahlt, lädt heute Abend ins K70 zum Gespräch ein. Dorothea Kurz-Kohnert

Artisttalk heute 18 Uhr, Kunstraum K70, Engelsgrube 70, Lübeck.

LN

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