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„Damals hat man noch so schön gelitten“

„Damals hat man noch so schön gelitten“

Die Sopranistin Simone Kermes vereint Liebeslieder der Renaissance mit Tanz und Dramatik.

Lübeck Simone Kermes ist die Primadonna assoluta der barocken Oper. Mit ihren Alben hat die Sopranistin Furore gemacht, ihre Konzerte ähneln einem Rockkonzert. Seelenvoll und exzentrisch wirft sie sich in die Musik. Zum SHMF kommt die 46-Jährige zusammen mit dem Ensemble „La Magnifica Comunità“ und zwei Tänzern mit ihrem Programm „Love“.

Frau Kermes, wie sind Sie zum Gesang gekommen?

Simone Kermes: Ich habe schon als Kind im Chor gesungen und bin als Achtjährige ständig in die Bibliothek gegangen. Dort habe ich mir Schallplatten ausgeliehen, beim Hören habe ich mitgesungen, wenn es mir gefallen hat – Opern von Mozart bis Wagner.

Sie haben erst eine Ausbildung zur Sekretärin gemacht. Als Sie dann Gesang studieren wollten, hat man Ihnen empfohlen, es mit dem Schauspiel zu versuchen. Dennoch sind Sie beim Gesang geblieben . . .

Kermes: Ich war und bin einfach für die Musik entflammt. Es ist meine Leidenschaft. Ohne Musik könnte ich nicht leben. Wenn man für die Musik brennt, kann es klappen, dass der Traum Wirklichkeit wird.

Beeinflusst sind Sie aber von Rockmusik, Ihre Vorbilder sind Rammstein und Queen. Warum dann klassischer Gesang?

Kermes: Damit hat man alle Möglichkeiten, diese wunderbare Musik aus den verschiedenen Epochen zu singen. Der Horizont ist einfach größer als bei der Rockmusik.

Für Ihren Konzertabend „Love“ haben Sie Liebeslieder entstaubt und ihnen neuen Glanz verliehen. Wie ist das Projekt entstanden?

Kermes: Vor zwei Jahren bin ich in der Barockoper „Platée“ von Jean-Philippe Rameau als Lady Gaga mit Tänzern auf der Bühne aufgetreten. Das hat mir so einen großen Spaß gemacht, dass ich so etwas auch im Konzert machen wollte: Ein Konzeptprogramm mit Tänzern und Liedern, die die vielen Facetten der Liebe, von Leidenschaft und Begehren bis hin zu Eifersucht und Raserei, durchmessen.

Komponisten aller Zeiten haben diese Affekte in Musik umgesetzt, aber in der Renaissance und im Barock fällt die Heftigkeit der Emotionen immer noch ein wenig stärker, theatralischer aus. Ich liebe diese Dramatik, denn es reicht heutzutage nicht mehr aus, sein Programm steif herunterzusingen.

Hat man Liebe zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert anders als heute empfunden?

Kermes: Diese Gefühle sind noch heute brandaktuell und modern! Und die poetischen Texte sind in diese wundervolle Musik verpackt. Das sind keine altmodischen Schubidu-Lieder wie in der Operette. Die Epoche war wunderbar klar und in die Tiefe gehend, ohne Schnickschnack und doch voller Herzschmerz. Damals hat man noch so schön gelitten.

Konzert „Love“: morgen, 20 Uhr, in der Reithalle Wotersen; Fr., 26. August, 20 Uhr, Meldorfer Dom.

Interview: Andreas Guballa

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