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Kultur im Norden Daniel Barenboim nimmt Trump ins Visier
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19:12 25.01.2017
Üben für den großen Auftritt: Der Dirigent Daniel Barenboim und die Staatskapelle Berlin in der Carnegie Hall in New York. Quelle: Foto: Dpa

Nein, nicht nur Amerika müsse besser werden, die ganze Welt sollte wieder „great“ sein, ruft Daniel Barenboim den Zuhörern in der Carnegie Hall zu. Gerade hat die Staatskapelle Berlin die zweite Sinfonie von Anton Bruckner (1824- 1896) beendet, einige Besucher wollen schon gehen.

Da ergreift der Dirigent das Wort. Genau vor 60 Jahren sei er hier zum ersten Mal aufgetreten, erzählt er über sein Debüt in der Carnegie Hall 1957.  Und dann holt Barenboim zu einem Plädoyer für die Verteidigung der Kultur aus. Wer eine Politik ohne Werte betreibe, zerstöre das Gefüge der Gesellschaft. Jeder im Saal versteht sofort, wer gemeint war. Kurz zuvor war Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gekürt worden. Die 2800 Zuhörer erheben sich zu einer Ovation.

Barenboim (74) und die Staatskapelle begeistern in diesen Tagen New Yorks Klassikliebhaber. Neun Bruckner-Sinfonien in einem Zeitraum von elf Tagen, dazu jeden Abend ein Klavierkonzert von Mozart mit Barenboim in seiner Doppelrolle als Pianist und Dirigent. Mit ihrem Auftritt im „Big Apple“ schreiben der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper und sein Orchester Musikgeschichte in den USA. Der Zyklus aller Mahler-Sinfonien hatte vor ein paar Jahren schon für Furore gesorgt.

Doch jetzt betritt das Orchester Neuland. Noch nie sind in Amerika alle Sinfonien Bruckners als Gesamtzyklus aufgeführt worden. Zu schwer und wohl zu sperrig muten die Monumentalwerke des Österreichers an. Die auf Sponsoren, reiche Mäzene und den Ticketverkauf angewiesenen Veranstalter scheuten bisher das Risiko eines solchen Programms.

Barenboim und der künstlerische Direktor der Carnegie Hall, Clive Gillinson, gingen das Wagnis einer Komplettaufführung ein und werden nun dafür reichlich belohnt: Zur Halbzeit zeichnet sich ein Riesenerfolg ab. Stets ein fast vollbesetztes Haus, mehr als 200 verkaufte Karten für die gesamte Reihe, dazu 250 Tickets für mindestens fünf Abende. Und immer rauschender Beifall. Am Dienstagabend trat Barenboim sechs Mal zum Schlussapplaus vor das Publikum.

„Die Menschen sind hier äußerst neugierig auf den sehr deutschen Sound der Staatskapelle“, erklärt Gillinson den Erfolg der Berliner. Bereits zwei Mal hat die „New York Times“ über die Reihe berichtet – und die geht erst am kommenden Sonntag mit Bruckners Neunter zu Ende. „Wer Bruckners Sinfonien langatmig und eigenwillig findet“, schrieb „Times“-Kritiker Anthony Tommasini, erlebe „mit diesen großartigen Musikern“ eine Offenbarung.

LN

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