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Kultur im Norden Daniel Hope hat seinen Lübeck-Marathon gestartet
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18:10 27.07.2018
Daniel Hope (l.) spielt zusammen mit Ikki Opitz beim Auftakt seiner „Familienstücke“ in der Musikhochschule. Quelle: Foto: Fotonick
Lübeck

„Auftakt mit Freunden“ steht im Vorschauheft des SHMF. Ein Abendprogramm gab es nicht, die Fotokopien aus der Vorschau nannten jedoch die Werkfolge. Sie war anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich, mit Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch und Felix Mendelssohn.

Für das Klavierquintett g-Moll op. 57 von Schostakowitsch hatte Daniel Hope nicht nur seine Streicher aufgeboten, sondern mit dem Pianisten Jacques Ammon einen Freund aus gemeinsamen Lübecker Studienjahren. Kraftvoll, explosiv setzte Ammon die ersten Akkorde, denen die Streicher mit vollem Einsatz folgten. Beides war beeindruckend: die Geschlossenheit der Tuttistellen, aber auch die Zwiegespräche zwischen Klavier und Bratsche (Carla Maria Rodrigues), die Interaktionen der Geiger Hope und Ikki Opitz sowie der Cellistin Josephine Knight.

Das Adagio eröffnete Daniel Hope mit berückend schönem Ton. Immer wieder schwoll die Musik an, flutete zurück in leise Bereiche. Jacques Ammons Klavierspiel war eine Klasse für sich. Rhythmisch präzise, in den oberen Regionen scharf pointiert ergänzte er den Streicherklang.

Das Streichquartett Nr. 7 op. 108 folgte, das kürzeste, das Schostakowitsch je schrieb, 1960 in Erinnerung an seine verstorbene Frau Nina. Hope übertrug das schwierige Werk dem jungen Schumann-Quartett. Erik Schumann (erste Geige) leitete den Kopfsatz ein. Intensiv wurden die Themen miteinander verbunden. Fahl ausgeleuchtet, den klagenden Ton treffend, begann Ken Schumann (zweite Geige) das Lento, dem ein spannungsgeladener Schluss folgte. Die Wiedergabe mit Mark Schumann (Cello) und Liisa Randalu (Viola) gelang mitreißend. Nach der Pause waren alle Streicher bei Mendelssohns Oktett op. 20 vereint. Der Komponist stellt hier nicht zwei Quartette gegenüber, sondern verzahnt die Musik, verschmilzt sie zu großer Geschlossenheit.

Sympathisch, dass Daniel Hope seinem jungen Kollegen Erik Schumann das erste Pult überließ. Der setzte schwungvoll, eindrucksvoll betonend, die Akzente. Die vollen romantischen Klänge fesselten das Publikum von Anfang an. Wie ein Irrlicht huschte das Scherzo vorüber. Im Finale steigerten sich die Musiker quasi von Takt zu Takt. Zum donnernden Applaus bemerkte Daniel Hope: „Zu Mendelssohns Zeiten hätte man jetzt das ganze Werk wiederholt.“ Hier beließen die Musiker es bei einem Teil des Scherzos als Zugabe.

Gestern Abend standen im Schuppen C und im Volkstheater Geisler Musik aus dem Berlin der 1920er Jahre, Filmmusik, Jazz und Tango auf dem Programm. Heute ist unter anderem im Filmhaus der Kinofilm „Der Klang des Lebens“ über die Familie Daniel Hopes zu sehen, im Katharineum schließt sich eine musikalische Lesung aus dem Buch „Fabian“ von Erich Kästner an, den Abend beschließt eine Lesung im Hansemuseum. kd

Besucherrekord zur Halbzeit

Gutes Wetter, viele Besucher: 94 der insgesamt 202 Konzerte sind verklungen – zur Halbzeit des Schleswig-Holstein Musik Festivals ist Intendant Christian Kuhnt mit dem bisherigen Verlauf mehr als zufrieden. Von den rund 190000 verfügbaren Plätzen seien bereits 165 000 belegt, teilte das Festival mit. Das entspreche einer Auslastung von rund 87 Prozent. Damit fällt die Halbzeitbilanz noch einmal besser aus als die des Vorjahres. Damals lag die Auslastung bei 84 Prozent. Von 190000 verfügbaren Karten waren zur Halbzeit 160 000 verkauft, 114 von 193 Konzerten waren ausverkauft. In diesem Jahr waren es 124 von 202 Veranstaltungen. Dazu zählen auch die Konzerte von Daniel Hope bei seinem Lübeck-Musikfest.

Diesen Erfolg verdanke das Festival nicht nur Stars wie Sabine Meyer, Jonas Kaufman und Rolando Villazón, sondern auch der Neugierde des Publikums, sagte Intendant Christian Kuhnt. Das Publikum habe auch selten gespielte Werke wie die Missa Sacra des diesjährigen Schwerpunktkomponisten Robert Schumann und Musik abseits der Klassik mit Begeisterung aufgenommen.

Das Festival dauert noch bis zum 26. August. Weitere Infos unter www.shmf.de

LN

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