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Kultur im Norden Daniel Hopes Geschenk an die Lübecker
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22:22 30.07.2018
Zum Familienkonzert im Schuppen 6 gab Daniel Hope mit seinen Musikern dem „Grüffelo“ Klang und Stimme.  Quelle: 54grad
Lübeck

Die Lesung aus Erich Kästners „Fabian“ am Sonnabend im Katharineum lag ihm am Herzen. Daniel Hope umrahmte das Sittengemälde der Weimarer Republik musikalisch und nahm die rund 200 Zuschauer mit auf eine stimmungsvolle Zeitreise. Am Flügel begleitete ihn Sebastian Knauer, am Cello die Britin Josephine Knight.

So wie das Gelesene einen zunehmend düsteren Charakter entfaltete – bis hin zum Tod des Titelhelden –, entwickelte sich die Musik. Anfangs noch Charme und Verve verbreitend mit Gershwins „I got Rhythm“ oder dem verträumten „The Man I Love“, wurden die musikalischen Beiträge im Verlauf verhaltener. Daniel Hope las sachlich, ohne dramatische Stilmittel, was dem schwarzhumorigen bis fatalistischen Grundton des Romans entgegenkam. Der Ton seiner Violine erstrahlte noch zu Beginn voller lebendiger Wärme, später dominierte das Cello von Josephine Knight – klagend bis hoffnungslos.

Hoffnungsfroh begann am Sonntagmorgen der vierte Tag des Lübeck-Musikfestes im Schuppen 6, wo die jüngsten Besucher, begleitet von Eltern und Großeltern, es kaum erwarten konnten, den „Grüffelo“ zu erleben. Hope hatte den Kinderbuchklassiker als Gute- Nacht-Lektüre für seinen vierjährigen Sohn entdeckt und als musikalische Lesung für die kleinen Fans aufbereitet. Melodien und Phrasen von Franz Waxman, aus Wagners „Walkürenritt“, Schostakowitschs Klavierquintett und Griegs „Peer Gynt“ charakterisieren das tierische Personal (Grüffelo, Maus, Fuchs, Eule, Schlange). Hope gibt ihnen Stimme, piepst, zischelt, grollt und grummelt; die schlaue Maus trickst alle aus und schlägt selbst den Grüffelo in die Flucht. Dafür gibt’s Applaus – und als Zugabe die Geschichte von Ferdinand, dem Stier.

„Wir haben es fast geschafft!“, rief Daniel Hope sechs Stunden später zu Beginn des „Grande Finale“ des Musikfestes in der Gemeinnützigen. Noch einmal volles Haus. Mit Musikern, die zunächst einzeln aufs Podium gerufen wurden und schließlich im Septett als Swing-Orchester das Publikum mitrissen – mit Musik aus den Roaring Twenties zum „Afternoon Tea“. Hope hatte sich intensiv mit dem geschichtlichen Hintergrund befasst und konnte zu jedem Titel Spannendes erzählen. Das Eröffnungsstück erinnerte an das Schicksal des Prager Komponisten Erwin Schulhoff, der 1942 im KZ ums Leben kam. Aus dem Duo für Geige und Cello (Josephine Knight) von 1928 erklang die Zingaresca, sprühend vor Temperament und Lebensfreude. An Europäer, die sich zu Beginn der Nazizeit in den USA durchschlagen mussten, erinnerte Hope mit Jacques Ammon am Klavier: Kurt Weill, Hanns Eisler, Mario Castelnuovo-Tedesco.

Carla Maria Rodrigues, Solobratschistin der Oper in San Francisco, war eine weitere Partnerin, ebenso der tags zuvor aus Paris angereiste Kontrabassist Stéphane Logerot. Ein dritter Geiger wurde nach vorn gebeten, Erik Schumann, der mit seinem Quartett zu den Stars des Festes zählte und kurz zuvor seine Zuhörer im Theater Combinale mit Haydns „Sonnenaufgangsquartett“ und einer leidenschaftlichen Interpretation von Leos Janaceks „Intimen Briefen“ hingerissen hatte.

Fast vergessen ist Jo Knümann (1895-1952). Er schrieb Fantasien für Salonorchester, aufgehängt am Charakter östlicher Nationen. Hope hatte fürs überaus schwungvolle Finale Rumänien gewählt.

Da kein weiterer Abendtermin anstand, gab es eine Zugabe, Werner Richard Heymanns „Irgendwo auf der Welt...“. Ob es im kommenden Jahr nicht irgendwo, sondern in Lübeck eine Neuauflage des Musikfestes gibt? Es wäre dann die fünfte Runde. Daniel Hope lächelt: „Mal sehen. Vielleicht...“. Neben ihm steht SHMF-Intendant Christian Kuhnt, und auch er lächelt. K. Dittrich/R. Ley/O. Oertel

LN

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