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Das Beethoven-Wochenende

Lübeck Das Beethoven-Wochenende

Kleines Festival: Studenten der Musikhochschule spielen alle Klaviertrios des großen Komponisten.

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„Nicht so ruppig!“: Die Studenten Dorothea Sauer (Geige), Victor Soos (Klavier) und Nathalie Hahn (Cello) bereiten sich auf die Konzerte morgen und übermorgen vor. Professor Manfred Aust (2. v. l.) hat das Programm mitgestaltet.

Quelle: Foto: Wolfgang Maxwitat

Lübeck. Professoren und Studenten der Musikhochschule Lübeck öffnen immer wieder ein Fenster in die Stadt hinaus – mit Konzerten, die für alle hörbar machen, was hinter den Mauern an der Obertrave gelehrt und gelernt wird. An diesem Wochenende gibt es wieder Gelegenheit, Talenten aus der Hochschule zu begegnen, bei „einem kleinen Festival“, wie Manfred Aust, Professor für Klavier, das Projekt nennt: Sämtliche Klaviertrios von Ludwig van Beethoven werden in zwei Konzerten gespielt, alle von Studenten präsentiert.

 

LN-Bild

Alle Klaviertrios – das sind sieben fulminante, mehrsätzige Kompositionen für Klavier, Geige und Cello sowie eine für Klavier, Klarinette und Cello, das „Gassenhauer-Trio“. Insgesamt 24 Nachwuchsinterpreten werden zu hören sein.

Ursprünglich handelt es sich bei den teilweise Ende des 18. Jahrhunderts entstandenen Trios um Unterhaltungsmusik, doch Manfred Aust versichert, man könne sie nicht hoch genug einschätzen:

„Beethoven hat in den Klaviertrios mit Formen experimentiert, die später in den sinfonischen Werken wieder auftauchen.“ So emanzipiere sich die Cello-Stimme bereits im Opus 1 konsequent von der Begleitfunktion. Spätere Trios seien auch im emotionalen Gehalt äußerst komplex. „Trotz der Besetzung – das alles geht weit über Hausmusik hinaus. Beethoven hat sich ausgetobt und ist bis an die Grenzen dessen gegangen, was mit den drei Instrumenten möglich ist.“

Das sahen bereits Zeitgenossen Beethovens so. Ein Rezensent des Wiener Journals für „Theater, Musik und Mode“ schrieb: „Gewaltig, mächtig und ergreifend trat Beethoven in jenen schönen Trios als Klavierkomponist auf. . . Neuheit und Fülle, eine Leichtigkeit, die harmonischen Hilfsmittel zu gebrauchen, eine gewisse Eigenheit des Stiles und der Behandlung ließen von dem noch jungen Manne einen originellen und genialen Komponisten erwarten.”

Eine wuchtige Aufgabe für die Musiker. Victor Soos (Klavier), Dorothea Sauer (Violine) und Nathalie Hahn (Cello), alle drei im dritten Semester und um die 20 Jahre jung, proben das „Erzherzog- Trio“, das Beethoven seinem Schüler Rudolph von Österreich widmete. Sie nehmen sich den zweiten Satz vor, der mit einem Moll-Fugato beginnt, an das sich ein Walzer-Thema anschließt.

Das klingt schon ganz aufgeräumt, doch die drei machen kritische Minen. „Cello und Geige müssen ihren Ton noch stärker angleichen, wärmer werden“, sagt Dorothea Sauer, Nathalie Hahn stimmt zu: „Nicht so ruppig!“ „Wir beschäftigen uns schon das ganze Semester über mit den Trios“, sagt Pianist Soos, „das erhöht unsere Ansprüche an uns selbst.“

Er ist besonders gefordert: „Das ,Erzherzog-Trio‘ ist wie ein Klavierkonzert, nicht nur wegen der Länge, auch wegen der Intensität.“ Und Cellistin Hahn: „So ein Beethoven-Trio ist für uns alle nicht leicht. Ein Mendelssohn-Trio läuft fast von alleine, da fließt alles. Bei Beethoven aber muss man über jeden Ton nachdenken.“ „Dabei müssen wir gar nicht so viele Töne wie der Pianist spielen“, sagt Geigerin Sauer. „Doch das Wenige fordert, dass wir etwas Besonderes daraus machen.“ Die drei scheinen bereits bestens zu harmonieren, auch wenn Victor Soos zugibt: „Wir diskutieren viel bei den Proben.“ Und worüber? „Über musikalische Gesten, Phrasierung, Dynamik, Führung, Lautstärke.“ Also über alles. „Doch es pendelt sich immer ein.“

Bei der Uraufführung des „Erzherzog-Trios“ 1814 kam es offenbar nicht zu einem solchen Gleichgewicht. Der schwerhörige Komponist saß selbst am Flügel. Sein Kollege Louis Spohr schrieb: „Im Forte schlug der arme Taube so darauf, dass die Saiten klirrten, und im Piano spielte er wieder so zart, dass ganze Tongruppen ausblieben.“

Das Festival im Großen Saal belegt auch, dass Kammermusik an der Musikhochschule einen hohen Stellenwert hat. Neben Manfred Aust haben seine Klavier-Kollegen Konrad Elser und Konstanze Eickhorst das Programm mitgestaltet. Zwei weitere Dozenten sind beteiligt: Sascha Lino Lemke, Professor für Musiktheorie, und Christoph Flamm, Professor für Musiktheorie, geben vor den Konzerten Einführungen in die Werke.

Konzerte: „Beethoven-Klaviertrios I und II“, 14. und 15 Januar (Sonnabend und Sonntag). Beginn: 19.30 Uhr, Einführungen jeweils um 18 Uhr.

Eintritt 14/19 Euro. ermäßigt 8/12.

Revolutionär: Ludwig van Beethoven

Seine 9. Sinfonie durfte natürlich nicht fehlen bei der Einweihung der Hamburger Elbphilharmonie. Ludwig van Beethoven (1770-1827, Foto) zählt neben Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn zu den großen Vertretern der Wiener Klassik. Er war ein Neuerer seiner Zeit – musikalisch, aber auch mit Blick auf die Stellung des Komponisten. In drei Jahren wird sein 250. Geburtstag gefeiert.

Michael Berger

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