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Das Bild mit dem Geheimnis

LN-Serie: Lieblingsbilder im Behnhaus, Teil 1 Das Bild mit dem Geheimnis

Besucher haben die 100 schönsten Meisterwerke im Museum Behnhaus Drägerhaus gewählt, die derzeit dort zu sehen sind. Museumsleiter Alexander Bastek stellt die Top Ten in einer LN-Serie vor. Wir beginnen heute mit Platz 10: das Gemälde „Die Hartengrube in Lübeck“ aus dem Jahr 1902 von Heinrich Eduard Linde-Walther (Lübeck 1868-939)

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„Die Hartengrube in Lübeck“: Heinrich Eduard Linde-Walther hat das Bild 1902 gemalt. 

Quelle: Lübecker Museen

Lübeck. Lübecker Motive erfreuten sich bei der Wahl der 100 Meisterwerke besonderer Beliebtheit. In den Top 10 finden sich allein vier Gemälde mit Lübeck-Ansichten. Heinrich Eduard Linde-Walthers „Die Hartengrube in Lübeck“ birgt dabei ein kleines Geheimnis.

Linde-Walther, 1868 in Lübeck geboren, wurde zunächst wie sein Vater Fotograf und dann Maler. Er ging nach Berlin, wo er sich der modernen Richtung der Secession anschloss, kehrte aber immer wieder in seine Heimatstadt zurück und malte unter anderem deren Straßen und Häuser.

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Als Impressionist arbeitete er häufig im Freien, und man kann sich beim Betrachten unseres Bildes gut vorstellen, wie der Maler seine Staffelei am Fuße der zwischen Dom und Trave verlaufenden Hartengrube aufstellte, um die dortigen Giebelfassaden und roten Dächer festzuhalten. Die Reaktionen der Passanten darauf sind eindeutig. Ein Paar hat dem Maler den Rücken zugekehrt, geht über die Straße und scheint ihn gar nicht zu beachten. Auch die Mutter rechts im Vordergrund schaut vor sich auf die Straße und würdigt Linde-Walther keines Blickes. Das Malen einer alltäglichen Szene innerhalb der Lübecker Altstadt scheint, so möchte man schließen, von den Lübeckern geflissentlich übersehen zu werden. Das Mädchen im Vordergrund, das an der Hand der Mutter über die Straße geht, durchbricht dieses bewusste Wegschauen jedoch. Es schaut neugierig, vielleicht ein wenig ängstlich, aber doch mutig genug, den Maler direkt anzublicken, aus dem Bild heraus. So neugierig, wie der Maler auf der Suche nach neuen Motiven durch seine Stadt geht, blickt das Mädchen auf diese ungewöhnliche Szene: einen Maler, der seine Staffel mitten in der Stadt aufgestellt hat und malt. Hier treffen sich zwei verwandte Blicke: das neugierige Schauen des Mädchens und der künstlerische Blick des Malers, der in der unscheinbaren Straßenflucht ein bildwürdiges Motiv erkannt hat.

Das Geheimnis des Bildes ist, dass es zunächst anders aussah. Als Linde-Walther das Gemälde 1903 in der Berliner Secession ausstellte, blickte statt des Mädchens ein Herr mit Hut und Stock in den Händen den Betrachter verständnislos an. Linde-Walther entschied sich nach der Ausstellung wohl, diesen weiteren Skeptiker seiner Kunst zu übermalen und schuf sich mit dem neugierigen Kind stattdessen einen Verbündeten.

Munch, Kuehl, Liebermann

Im Museum Behnhaus/Drägerhaus in der Königstraße 9-11 finden sich Werke des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne. Bilder von Caspar David Friedrich sind da etwa zu sehen, von Edvard Munch, Lyonel Feininger, Max Liebermann, aber auch von dem gebürtigen Lübecker Gotthardt Kuehl. Neben Gemälden werden Plastiken, Grafiken und Fotografien gezeigt. Das Museum in zwei Stadtpalais des 18. Jahrhunderts, dem Behnhaus und dem Drägerhaus, hat dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

LN

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