Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 0 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Das Bilderbuch im Altaraufsatz

Düsseldorf Das Bilderbuch im Altaraufsatz

Kunsthistorische Sensation: Zwei Galeristen aus Düsseldorf spürten ein verschollenes Aquarell-Buch von Otto Dix auf.

Voriger Artikel
„Meine Theaterlust ist ungebremst“, sagt Uli Sandau
Nächster Artikel
Der „Drachenreiter“ kehrt zurück

Der Künstler als junger Mann: Selbstbildnis von Otto Dix aus dem Jahre 1912.

Quelle: Fotos: Dpa

Düsseldorf. . Jahrzehntelang war das Bilderbuch für das Mädchen Hana in einem Altaraufsatz versteckt. Gemalt hatte die bunten Aquarelle mit biblischen Szenen und Heiligenlegenden ausgerechnet Otto Dix, der Maler mit dem „bösen Blick“. Über 20 Jahre warteten die Galeristen Herbert Remmert und Peter Barth aus Düsseldorf geduldig, bis sie den als verschollen geltenden Kunstschatz heben durften. Nun haben sie es geschafft und für eine kleine kunsthistorische Sensation gesorgt.

 

LN-Bild

Galerist Remmert hängt das Aquarell „Die Sieben Todsünden“ aus dem „Bilderbuch für Hana“ auf.

Quelle:

Dix wurde berühmt als kritischer Maler der Neuen Sachlichkeit mit beißenden Gesellschaftsporträts der Weimarer Zeit und apokalyptischen Szenen des Ersten Weltkriegs. Doch Dix (1891-1969) hatte auch eine andere künstlerische Seite. Der Zeichner zeichnete für Kinder skurrile Tierbilder und schuf insgesamt sechs Bilderbücher.

Die Mappen waren Geschenke für seine drei eigenen Kinder und die Stiefkinder Hana und Martin, die seine Ehefrau Martha mit ihrem ersten Mann Hans Koch hatte. Das um 1925 entstandene „Bilderbuch für Hana“ mit 14 farbprächtigen großformatigen Aquarellen ist nun nach rund 90 Jahren in Oberbayern aufgetaucht. Während die Blätter der anderen fünf Dix-Bilderbücher schon längst einzeln verkauft wurden, ist das „Bilderbuch für Hana“ als einziges noch komplett erhalten.

„Vor etwa 20 Jahren haben wir erstmals Kontakt zu Hana Koch bekommen“, Galerist Remmert. In Murnau am Staffelsee spürten sie die Stieftochter von Dix auf. Und das Warten begann.

Erst als Hana 2006 starb, ließ sich deren Tochter Olga erweichen, das Buch öfffentlich zu machen.

Etwa fünf Jahre alt war Hana, als Dix ihr das Bilderbuch schenkte. Kindlich-naiv sind die Aquarelle allerdings nur manchmal – etwa die lustigen rosa Putten, die den Titel des Bilderbuches aus ihrem Füllhorn schütten. Dix mutete Hana aber auch angsteinflößende Motive zu: Die „Bremer Stadtmusikanten“ stieren mit glühenden Augen in eine warme Stube. David massakriert Goliath mit dem Schwert. Der heilige Antonius ist umringt von hässlichen Fabelwesen mit breiten Mäulern und großen Klauen.

Das eindrucksvollste Bild aber sind die „Sieben Todsünden“ als rosa-, gelb und orangefarbene monsterhafte Kopffüßler mit doch irgendwie liebenswerten Blicken. 1933 wird Dix das Thema wieder aufgreifen. Sein altmeisterliches Gemälde „Die sieben Todsünden“ – der „Neid“ trägt darauf Hitler-Bart – blieb auf der Staffelei zurück, als der von den Nazis verfemte Dix sich in die innere Emigration zurückzog.

Bis zum 22. Dezember sind das „Bilderbuch für Hana“ und weitere aufgetauchte Dix-Arbeiten in der Galerie Remmert und Barth in Düsseldorf zu sehen.

Dorothea Hülsmeier

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden

LIVE: Reden Sie über Ihren Kultur-Abend

Wie war die Theaterpremiere? Wie ist die Stimmung bei der 90er Party? Wie hat Ihnen das Konzert gefallen? Hier unterhält sich Lübeck und die Region über Kultur und Szene!

Bitte beachten Sie: Dieser Chat wird nicht regelmäßig moderiert. Bitte verhalten Sie sich daher so, wie Sie es auch im persönlichen Gespräch tun würden. Schreiben Sie uns eine Mail, wenn Ihnen Inhalte auffallen, die hier nicht stehen sollten.