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Das Buch wird zum Luxusobjekt

Frankfurt am Main Das Buch wird zum Luxusobjekt

Die Frankfurter Buchmesse sucht neue Geschäfte – und findet sie im Kunstbetrieb. Es geht in diesem Jahr vor allem ums Geldverdienen.

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Freiluftbibliothek vor dem Frankfurter Messeturm: Die Buchmesse, die am 18. Oktober startet, will vermehrt mit Inhalten handeln.

Quelle: Fotos: Dpa

Frankfurt am Main. . Die Frankfurter Buchmesse wird immer kreativer – vor allem wenn es ums Geschäft geht. Erstmals wird in diesem Jahr die Kunstszene entdeckt. Unter dem Motto „The Arts+“ sind auf der Messe auch große Museen wie das New Yorker MoMA vertreten. Aus Sicht der Veranstalter hat das Sinn. Die Grenzen zwischen Kunst, Mode und Design verwischen. Künstler lassen Bücher oft für viel Geld in Concept Stores oder Museen vermarkten.

LN-Bild

Die Frankfurter Buchmesse sucht neue Geschäfte – und findet sie im Kunstbetrieb. Es geht in diesem Jahr vor allem ums Geldverdienen.

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Das bedeutet aber auch, dass der Kunstband im traditionellen Laden als Auslaufmodell gilt. „Das Buch wird zum Luxusobjekt“, sagt Juergen Boos, Chef der Messe, die der Dachverband der deutschen Buchbranche organisiert. Als Stargast hat Boos zur Messe-Eröffnung am 18. Oktober den britischen Maler und Multimediakünstler David Hockney verpflichtet. Der 79-Jährige soll ein paar warme Worte über die Messe und sein Buchprojekt sagen. Hockneys großformatiger Kunstband „Sumo“, beim   Kunstbuchverlag Taschen erschienen, wird vor gestellt. Limitiert und handsigniert soll er um die 2500 Euro kosten.

Für Messechef Boos geht es schon lange nicht mehr nur um den Verkauf von Buchlizenzen, bei dem Frankfurt seit langem vorne ist. Das allgegenwärtige Zauberwort heißt Inhalte, neudeutsch „Content“ genannt. Darunter fällt alles, was Bücherinhalte in irgendeiner Form verwertbar macht. Als Drehbuch im Film, als Vorlage für die Games-Branche, als digitale Plattformen wie in der Kunst.

Boos sieht Frankfurt als übergreifende Medienmesse und wichtigsten Handelsplatz für Inhalte aller Art.

Dennoch wird auf der 68. Frankfurter Buchmesse, zu der wie im Vorjahr rund 7000 Aussteller aus mehr als 100 Ländern erwartet werden, der Schwerpunkt auf dem traditionellen Buch liegen. Als weltweit führender Branchentreff ist Frankfurt zuvorderst Geschäftsmesse, dann aber auch Publikumsmesse und Lesefest mit rund 600 Autoren und knapp 4000 Veranstaltungen. Ein Spagat für die Organisatoren, die neben dem Kommerz stets gerne die kulturelle Bedeutung des Mediums Buchs betonen.

Dieses Jahr will die Messe, die mit 300 000 Besuchern in fünf Tagen rechnet, den Blick auf das bedrohte „Projekt Europa“ richten. Insbesondere die Gefahren für die Meinungsfreiheit in der Türkei, in Polen und Ungarn sollen thematisiert werden. Erwartet werden die in London lebende türkische Starautorin Elif Shafak und der in seiner algerischen Heimat gegängelte Schriftsteller Boualem Sansal, der 2011 den  Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt.

Zu den bekanntesten Autoren auf der Messe gehören in diesem Jahr die krimischreibenden Bestsellergaranten Donna Leon und Martin Walker. Dabei ist aber auch der britische Historiker Ian Kershaw, der mit seinem „Höllensturz“ über Europa von 1914 bis 1949 gerade die Sachbuch-Charts gestürmt hat.

Britische Verlage sind aber auf der Messe dieses Mal schwächer repräsentiert. Die Organisatoren machen dafür nicht so sehr den Brexit verantwortlich, sondern Verschiebungen im angloamerikanischen Buchmarkt. Die USA stellen traditionell hinter Deutschland immer das stärkste Aussteller-Kontingent. Die größte Aufmerksamkeit unter den ausländischen Gästen erhält aber der Ehrengast, die Niederlande und Flandern. Schon vorab hat der gemeinsame Sprachraum einen Rekord aufgestellt.  Mehr als 450 Neuerscheinungen in über 130 Verlagen sind auf Deutsch angekündigt. Das gab es bei einem Gastland noch nie. Erwartet werden aus dem Gastland auch hierzulande prominente Autoren wie Leon de Winter, Cees Nooteboom, Connie Palmen oder Margriet de Moor.

Der Multi-Künstler

David Hockney , 1937 im englischen Bradford geboren, wird am 18. Oktober zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse eine Rede halten. Der Maler, Fotograf und Multimediakünstler ist auf dem Kunstmarkt sehr erfolgreich, seine Gemälde werden mit bis zu 2,5 Millionen (knapp drei Millionen Euro) Pfund je Bild bewertet.

Berühmt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren mit Ölgemälden aus Los Angeles, die Swimmingpools in leuchtenden Farben darstellten. Gleichzeitig bemühte er sich immer, neue technische Möglichkeiten in die Bildende Kunst einzuführen. Seine Porträts und Landschaftsbilder, die aus zahlreichen Polaroid-Fotos zusammengesetzt sind, galten als innovativ. Er schuf später auch Bilder mit dem Farbkopierer oder nutzte das Faxgerät für seine Kunst.

Neuerdings beschäftigt sich Hockney mit digitalen Medien: Mit dem Zeichenprogramm „Brushes“ malt er Stillleben und Landschaften auf iPad und iPhone, die er dann als Poster ausdrucken lässt.

Thomas Maier

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