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Das Glück trug eine Lederweste

DIE MODERNE FRAU Das Glück trug eine Lederweste

Breitschultrig, Lederweste, dichter Bart, zorniger Blick: So sah der Chef des Tattoo-Studios aus, damals, vor 25 Jahren, als die Frau sich ein Bild in die Haut stechen lassen wollte.

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Von Sabine Latzel sabine.latzel@LN-Luebeck.de

Breitschultrig, Lederweste, dichter Bart, zorniger Blick: So sah der Chef des Tattoo-Studios aus, damals, vor 25 Jahren, als die Frau sich ein Bild in die Haut stechen lassen wollte. Eine Idee, die der Ober-Tätowierer aus unbekannten Gründen ablehnte und deren Umsetzung er durch unkooperatives Verhalten verhinderte.

Die Frau zog also unverrichteter Dinge von dannen und hatte damit ein Glück, das heute nicht mehr viele junge Leute erleben dürfen, wenn man nach dem geht, was in Schwimmbädern großflächig präsentiert wird: eine Motivflut irgendwo zwischen Knast-Souvenir, Geschöpf der Unterwelt und Hello-Kitty-Ausmalbuch. Der Trend ist eskaliert und wird darum bald ein Ende haben. Deshalb ein Tipp an die nachfolgende Generation: Studiert Dermatologie, spezialisiert euch auf Tattoo-Entfernungen, in zehn Jahren will kein Mensch mehr so herumlaufen! Steuert auf einer goldenen Autobahn einer Zukunft ohne finanzielle Sorgen entgegen, werdet reich!

Für die Frau ist es zu spät, ein Medizin-Studium anzufangen. Aber sie könnte Aktien kaufen von Tattoo-Entfernungs-Spezialunternehmen. Vorher findet sie aber die Adresse des unwirschen Ober-Tätowierers von damals heraus und schreibt ihm einen Dankesbrief, besser spät als nie. Als kleine Aufmerksamkeit könnte sie Pralinés beilegen und auf jeden Fall ein Hello-Kitty-Ausmalbuch.

LN

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