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Das Haus der schwarzen Mutter Courage

Berlin Das Haus der schwarzen Mutter Courage

Ein Gebäude aus Detroit wurde jetzt in Berlin wieder aufgebaut: Darin lebte in den 50er Jahren Rosa Parks, eine Ikone der Bürgerrechtler in den USA.

Berlin. . Rosa Parks – das war die schwarze Frau, die einst in Montgomery im US-Bundesstaat Alabama festgenommen wurde, weil sie ihren Platz im Bus nicht für einen Weißen räumen wollte. Die Geschichte der Ikone der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wird jetzt in Berlin wieder lebendig. Der hier arbeitende New Yorker Künstler Ryan Mendoza hat ihr Haus in Detroit vor dem Abriss gerettet und in seinem Garten im Stadtteil Wedding wieder aufgebaut.

„Anfangs war es nur eine nostalgische Idee. Ich war auf der Suche nach einem Haus, das dem meiner Familie ähnelt und für mich eine Brücke in die Heimat sein könnte“, sagt Ryan Mendoza. „Aber es ist so viel mehr geworden – viel mehr, als ich mir je vorstellen konnte.“

Vor einiger Zeit lernte er Rosa Parks’ Nichte Rhea McCauley (70) kennen. Sie hatte das vom Verfall bedrohte Holzhaus ihrer Tante nach einer längeren Odyssee mühsam für 500 Dollar erstanden, fand aber niemanden, der ihr bei der Instandhaltung helfen wollte. Sie bot es deshalb Mendoza an. „Ich wollte, dass die Erinnerung an sie lebendig bleibt“, sagt Rhea McCauley, die zur Eröffnung des Projekts nach Europa gereist ist. „Ich bin überglücklich. Hier können die Menschen sich an sie erinnern und ihre Gegenwart spüren.“

Dabei war für Rosa Parks der Einzug in das Haus alles andere als glücklich. Am 1. Dezember 1955 hatte die damals 42 Jahre alte Schneiderin, die auch als Sekretärin bei einer Bürgerrechtsorganisation arbeitete, in Montgomery dem fordernden Weißen den Sitzplatz im Bus verweigert. Ihr mutiger Protest gegen die Trennung von Schwarz und Weiß wurde zum Katalysator des Civil Rights Movements. Baptistenprediger Martin Luther King organisierte mit ihr die ersten Protestmärsche. Doch für Parks wurde das Leben in den Südstaaten zum Alptraum. Sie erhielt Morddrohungen, wurde terrorisiert, ihr Mann erlitt einen Nervenzusammenbruch. Der Familie blieb nichts anderes übrig, als zu Rosa Parks Bruder nach Detroit zu ziehen – in jenes Haus, das jetzt in Berlin steht und in dem sie von 1957 an mit Bruder, Familie und 13 Kindern wohnte.

Von der Zeit gezeichnet, aber wetterfest und stabil steht das zweistöckige Häuschen nun in Mendozas Hinterhof. Selbst die Hausnummer 2672 und den Türklopfer gibt es noch, nur das Schloss ist neu. In monatelanger Arbeit hat der Künstler auf einem Betonfundament den Originalbau wieder erstellt, die Latten kamen per Schiff über den Atlantik.

Besucher können das Haus am „Gallery Weekend“ (siehe rechts oben) besichtigen, allerdings nur von außen. Zudem läuft in der CWC Gallery eine Doppelausstellung mit Arbeiten von Ryan Mendoza und dem US-amerikanischen Fotografen Steve Schapiro, der die Bürgerrechtsbewegung eng begleitet hat. „Für mich ist Rosa Parks das Symbol dieser Bewegung“, sagt er.

Für den Künstler Mendoza ist mit der Ausstellung ein wichtiges Etappenziel erreicht. Noch lieber aber sähe er das Haus eines Tages wieder in den USA – am liebsten im Garten der Weißen Hauses, sagt er. „Das Anliegen von Rosa Parks ist in Amerika noch immer nicht umgesetzt, sonst stünde das Haus heute nicht in Berlin.“

Nada Weigelt

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