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„Das Kind ist schon ganz grün“

Lübeck „Das Kind ist schon ganz grün“

Cornelia Scheel und Hella von Sinnen erinnerten in einer launigen Lesung im Volkstheater Geisler an Mildred Scheel.

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Cornelia Scheel (l.) begrüßt die Zuschauer und überlässt dann Hella von Sinnen die Lesung aus dem Buch über ihre Mutter.

Quelle: Fotos: O. Malzahn, Dpa

Lübeck. Lübeck. „7. Juli 1983. Es war ein wunderschöner Sommertag in Köln.“ Es ist der Tag, an dem Mildred Scheel, Chefin und Gründerin der Deutschen Krebshilfe, ihre Krebsdiagnose erhält, die sie vor der Öffentlichkeit geheim hält. Zwei Jahre später stirbt sie. Völlig pragmatisch plant und feiert sie vor der ersten OP noch den Geburtstag ihres Mannes Walter Scheel. Mit diesem Ausschnitt aus dem Buch „Mildred Scheel“, geschrieben von ihrer ältesten Tochter Cornelia, geht es gleich zu Beginn mitten ins Thema am Donnerstag im Volkstheater Geisler. Cornelia Scheels frühere langjährige Lebenspartnerin Hella von Sinnen liest, denn „Conni hat das furchtbare Lampenfieber von ihrer Mutter geerbt“.

Die Staus um und in Lübeck fordern an diesem Abend ihren Tribut – die Damen kommen zu spät, und Hella von Sinnen rattert die ersten Seiten etwas atemlos herunter, als wollte sie die verlorene Zeit aufholen. Doch schnell richtet sie sich in dem vertrauten Text ein (sie war die erste, die Cornelias Texte lesen durfte), liest mit Empathie die Passagen über die Krebserkrankung Mildred Scheels und deren Kampf gegen die Borniertheit der Götter in Weiß, die sich von der Krebshilfe angegriffen gefühlt hatten.

Mit großem Vergnügen zelebriert von Sinnen die Episoden über die Ehe der Scheels, die abergläubischen Marotten Mildred Scheels und den Alltag in der Villa Hammerschmidt. Bei einer Fahrt zu den Salzburger Festspielen wollte Walter Scheel nicht anhalten, als der kleinen Conni schlecht wurde. „Das Kind ist schon ganz grün“, sagte die Mutter noch – da erbrach sich das Kind in den Nacken des Bundespräsidenten. Er hatte seitdem jegliche Erziehungsversuche aufgegeben. Auch eine Passage über Connis Flucht vor den Sicherheitsbeamten sorgt für Heiterkeit und am Ende für viel Applaus der Besucherinnen und einiger unerschrockener Männer im Publikum. Die Lesung machte Lust auf mehr: die Schlangen am Verkaufs- und Signiertisch sind lang.

ph

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