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Kultur im Norden Das Kunst-Geschenk der drei Schwestern
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18:10 22.06.2017
Flensburg

Nachdem Christine Salerno das Wort ergreift, um die Erklärung zu verlesen, die sie mit ihren beiden Schwestern vorbereitet hatte, fließen Tränen der Rührung.

Denn Christine, die mit ihren Schwestern Anne und Ingrid von New Jersey an der Ostküste der USA nach Flensburg gereist ist, schildert anrührend, warum die drei Amerikanerinnen dem Flensburger Museumsberg 41 Papierarbeiten von Erich Heckel vermacht haben. Um genau zu sein, ist das Haus jetzt um 24 Aquarelle, drei Zeichnungen und 14 Druckgrafiken reicher. „Damit hat sich unser Heckel-Bestand auf einen Schlag verdreifacht“, sagt Michael Fuhr, Direktor des Museumsbergs. Er erzählt die ganze deutsch-amerikanische Geschichte, die in einer kleinen Reetdachkate am Steilufer von Osterholz bei Langballigau in Angeln 1913 ihren Anfang genommen hatte.

Erich Heckel hatte sich in jenem Sommer bei Bootsbauer Peter Hansen eingemietet und Gefallen an der abwechslungsreichen Landschaft gefunden, die er mit den Augen des Malers sah: „Am Südufer der Flensburger Außenförde fand ich das Gesuchte, das Meer und Vielfalt der Küste mit einem sehr eigenartigen Hinterland verband“, schrieb der Künstler an seinen Mäzen, den Hamburger Kunstsammler Gustav Schiefler.

Als sich 1919 die Gelegenheit bot, eine benachbarte Kate zu kaufen, griffen Heckel und seine Frau Siddi zu. Das kinderlose Paar nahm in den Ferien gern Kinder von Verwandten oder Freunden auf. Eines von diesen Sommerkindern war die Nichte von Erich und Siddi Heckel, Erna Hoffmann.

Hier schließt sich der Kreis zu der Geschichte um die Heckel- Schenkung. Sind doch die drei Schwestern Christina Salerno, Anne Sylvester und Ingrid Hoffmann aus New Jersey Töchter eben dieser Nichte Erna, die als junge Frau 1952 mit ihrem Mann in die USA ausgewandert war, Onkel und Tante in Deutschland aber zeitlebens verbunden blieb. Über die Jahre wuchs eine sehr persönliche Sammlung von Aquarellen, Zeichnungen und Holzschnitten Heckels in New Jersey. Bilder, mit denen die Mädchen aufgewachsen sind. Blumenstillleben, Berglandschaften, Porträts und immer wieder Motive von Erna Hoffmanns norddeutscher Heimat, die der Maler der Nichte nach und nach schenkte. Kostbar seien sie für ihre Mutter gewesen, die Erinnerungen an die Heimat und die Sommer in Angeln, sagt Christine Salerno. Und am Sterbebett habe man versprochen, dass die Heckel-Sammlung beieinander bleiben solle und nicht über Verkauf durch Auktionshäuser in alle Winde verstreut werde.

Mit dem Flensburger Museumsberg fanden die drei die ideale Heimat für das Erbe. Die Anregung verdankt Michael Fuhr der Vermittlung der Erich-Heckel-Stiftung in Hemmenhofen, die den Kontakt nach New Jersey herstellte. „Das war im Januar 2016“, sagt Michael Fuhr, „im März dieses Jahres wurde die Holzkiste schließlich nach quälend langen Zollformalitäten endlich in Flensburg angeliefert.“

Die von der Kunsthistorikerin Madeleine Städtler engagiert kuratierte Ausstellung unter dem Titel „Erich Heckel – Die Schenkung“ versammelt jetzt in Räumen des Sauermann-Hauses insgesamt 52 Arbeiten des Expressionisten. Die Hoffmann-Schenkung ist angereichert mit Leihgaben und früheren Donationen. Der Gang durch die Ausstellung lässt alle Schaffensphasen Heckels Revue passieren. Von Holzschnitten von 1907 bis zu einer Lithografie von 1968, ein Selbstporträt.

Anders als in den Holzschnitten mit ihrem scharfen expressiven Gestus sind die Landschaftsaquarelle von der Flensburger Förde mit ihren Steilküsten oder den sanften Hügeln bei Schleswig aus den Vierzigerjahren um Wiedererkennbarkeit bemüht.

Die Schwestern kommen derweil vor den Bildern ins Erzählen. „Dieses Blatt war doch ein Geburtstagsgeschenk für mich“, sagt Anne Sylvester und steht vor einem zartfarbigen Akelei-Stillleben. Nur einige Tage lang haben die Schwestern Zeit für Flensburg. „We are working women“, sagt Christine Salerno, berufstätige Frauen. Die Frage, was denn der Wert der Heckel-Blätter sei, beantwortet Michael Fuhr charmant. Die Schenkerinnen würden auf ein ziemlich hübsches Einfamilienhaus verzichten, sagt er mit dankbarem Blick auf die Damen aus New Jersey.

Maren Kruse

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