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Das Leben einer Weltenbummlerin

Das Leben einer Weltenbummlerin

So fesselnd wie ihre Krimis: Die Neuauflage der Autobiographie Agatha Christies.

Hamburg. Sie ist die wohl populärste Krimiautorin aller Zeiten. Ihre Helden, allen voran Hercule Poirot und Miss Marple, sind einem Millionenpublikum bekannt. 66 Kriminalromane, etliche Bühnenstücke, Erzählungen und Kurzgeschichten hat Agatha Mary Clarissa Christie Mallovan, geborene Miller, schließlich hinterlassen. Und nicht zuletzt ihre Autobiographie, die erstmals 1977 erschien – in einer Neuauflage nun auch in Deutschland mit einem Vorwort ihres Enkels Matthew Prichard.

 

LN-Bild

Die Krimi-Königin Agatha Christie starb 1976 mit 85 Jahren.

Quelle: Foto: Dpa

Ein Glücksfall für jeden, der das fast 700 Seiten umfassende Opus in die Hände bekommt. Denn es macht mit einer liebenswerten einzigartigen Persönlichkeit bekannt und ist nicht weniger unterhaltsam, vergnüglich und spannend als ihre in aller Welt bekannten Detektiv- und Spionagegeschichten. Die Britin lässt teilhaben an 75 Jahren erlebter und gelebter Geschichte, gesellschaftlichen Umwälzungen aufgrund zweier Weltkriege und regionalen Konflikten – vor allem auch im Nahen Osten, ein von ihr neben England bevorzugter Lebensraum.

Genau hier, im altorientalischen Nimrud im Irak, hat sie 1950 mit ihrer Autobiographie begonnen. „Das Verlangen, meine Autobiographie zu schreiben, überkam mich ganz plötzlich in meinem Haus in Nimrud“, bekennt sie am Ende. Sie habe sich an das erinnert, an das sie sich erinnern wollte. Im Umkehrschluss bedeutet das wohl, dass sie auch einiges weggelassen hat. Streng chronologisch ist die Lebensgeschichte der Begründerin des modernen britischen Kriminalromans übrigens nicht – das zeitweilige Hin und Her macht ihre ohnehin sehr bunten Memoiren noch lebendiger.

Großen Raum nimmt ihre, offenbar sehr glückliche, Kindheit ein. Liebende Eltern im gutsituierten viktorianischen Hausstand sorgten für Sicherheit und Geborgenheit. Leider starb der Vater, als sie gerade mal elf Jahre alt war. Mit dem Ersten Weltkrieg verflog die Leichtigkeit aus ihrem Leben. Christie (damals noch Miller) betreute als Pflegerin verwundete Soldaten, später arbeitete sie in einer Apotheke. Erfahrungen aus dieser Zeit waren – besonders was den Umgang mit Giften betraf – für ihre Krimis unbedingt von Vorteil. Ebenso wie ihre vielen Reisen: Mit der Mutter erlebte sie als Kind bereits Ägypten, mit ihrem ersten Mann Archibald Christie unternahm sie einen Trip um die Welt, und später entdeckte sie vor allem mit Max Mallovan den Nahen Osten. Wer Agatha-Christie-Romane kennt, wird vieles daraus in ihrer Autobiographie wiederfinden: Orte, Erlebnisse, Szenen, auch Fortbewegungsmittel wie etwa den Orient-Express baute sie gern in ihre Literatur ein.

Das Schöne an der Lebensgeschichte der Agatha Christie ist, dass sie so völlig uneitel geschrieben ist. Dabei hatte die Grande Dame der Kriminal-Literatur gute Gründe, sich viel auf ihren schon zu Lebzeiten enormen Erfolg einzubilden, der schließlich auch von der Queen 1971 mit der Verleihung eines Adelstitels gewürdigt wurde. Heute zählt sie mit über drei Milliarden weltweit verkaufter Bücher zu den erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten und im Genre Kriminalroman gehört ihr unangefochten die Spitzenposition.

Agatha Christie: Die Autobiographie, Hoffmann und Campe, 640 Seiten, 30 Euro

Frauke Kaberka

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