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Das Leben eines Krakeelers

Das Leben eines Krakeelers

Es gab einige große Krakeeler in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts, Karl Kraus oder Arno Schmidt zum Beispiel.

Es gab einige große Krakeeler in der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts, Karl Kraus oder Arno Schmidt zum Beispiel. Aber keiner von ihnen erreichte den Krakeeler-Rang von Thomas Bernhard (1931-1989), der sich genussvoll als Stachel im Fleische seines Heimatlandes Österreich gab, der den Nimbus des Nestbeschmutzers kultivierte und dennoch einer der ganz großen Schriftsteller eben dieses 20. Jahrhunderts wurde. Manfred Mittermayer hat jetzt eine bemerkenswerte Biografie über Thomas Bernhard vorgelegt.

Mittermayers Buch unterscheidet sich wohltuend von den Versuchen anderer Autoren, das Leben des Thomas Bernhard zu beschreiben. Mittermayer geht natürlich auch von der schwierigen Kindheit Bernhards aus, den vielen Krankheiten, dem genialischen Großvater und all den anderen Widrigkeiten, die Bernhard den Weg ins Leben so erschwerten. Mittermayer tappt aber nie in die Mitleidsfalle, er beschreibt distanziert.

Und vor allem enthält sich der Biograf wertender Äußerungen über die Werke Thomas Bernhards. Diese überlässt er der zeitgenössischen Kritik, aus der ausführlich zitiert wird. Zu Wort kommen auch Weggefährten Bernhards, sein Verleger Siegfried Unseld etwa, der immer wieder größte Mühe hatte, seinen Autor an der Leine zu halten. Ein seltsames Leben ist in dieser Biografie zu entdecken, voll Hass uns Selbsthass, voll genialer Momente und voll von Selbstmitleid. Aus seinem Leben hätte Thomas Bernhard noch mehr Theaterstücke machen können. Fel

„Thomas Bernhard. Eine Biografie“ von Manfred Mittermayer, Residenz Verlag Salzburg, 453 Seiten, 28 Euro.

LN

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