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Kultur im Norden „Das Leben wortwörtlich“
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19:13 04.01.2018
Journalist und Schriftsteller oder Sohn und Vater: Jakob Augstein hat zusammen mit Martin Walser ein Buch geschrieben. Quelle: Foto: Dpa
Überlingen

Martin Walser spricht es gleich zu Beginn an: „Aber, Jakob, wir werden uns natürlich immer an der Grenze zur Indiskretion bewegen“, sagt der Schriftsteller zu seinem Sohn. Es ist einer der ersten Sätze in seinem neuen Buch „Das Leben wortwörtlich“, das er gemeinsam mit Jakob Augstein veröffentlicht hat. „Ist das ein Problem?“, fragt dieser ihn. Walsers Antwort: „Wenn wir unser Gespräch ganz offen führen, werden wir auch ganz offen sein, ganz ungeschützt. Ich habe das erlebt, als der letzte Band der Tagebücher erschien. Jeder Depp kann sich auf uns stürzen.“ Und tatsächlich: Die Beiden kratzen am Rand der Indiskretion – nicht nur, aber auch, weil sie Vater und Sohn sind.

Ihre Gespräche drehen sich um die Kindheit des Autors in Wasserburg am Bodensee, um den Eintritt der Mutter in die NSDAP, um Walsers damalige Wahrnehmung des Nationalsozialismus. Es geht um Freundschaft und das Lieben, um seine Arbeit als Autor, und – natürlich – um sein literarisches Werk. Auch das Verhältnis von Schriftstellern und Kritikern spricht Augstein an – und ganz konkret Walsers Beziehung zu Marcel Reich-Ranicki. Er habe dessen Rezension von „Jenseits der Liebe“

aus dem Jahr 1976 als Versuch der Vertreibung aus der Literatur erlebt, sagt Walser.

Doch egal, worüber die beiden sprechen: Hinter den Zeilen ist immer wieder ihre eigene Beziehung das Thema. Im letzten Kapitel des Buches geht es dann auch ganz konkret um das Vater-Sohn-Verhältnis.

Er sei 2009 damit an die Öffentlichkeit gegangen, sagt Augstein. Auf Walsers Frage nach dem Warum, sagt er: „Ihr habt es mir überlassen, alles zu klären. Warum müssen die Kinder hinter den Eltern aufräumen?“ Man staunt über die Offenheit, mit der die beiden sprechen, aber auch über die Versuche der durchaus liebevollen Annäherung: „Wenn wir uns getroffen haben, habe ich dich jedes Mal sozusagen wiedererkannt. Und habe jedes Mal gestaunt“, sagt Walser. „Jetzt werde ich nicht mehr staunen. Das kommt von unserem Gespräch. Du bist mir jetzt näher, als du je warst.“

LN

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