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Das SHMF auf klassischen Bahnen

Lübeck Das SHMF auf klassischen Bahnen

Nach den Romantikern Felix Mendelssohn Bartholdy und Peter Tschaikowsky steht in diesem Jahr beim Schleswig-Holstein Musik Festival ein Klassiker im Fokus.

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Lübeck. Nach den Romantikern Felix Mendelssohn Bartholdy und Peter Tschaikowsky steht in diesem Jahr beim Schleswig-Holstein Musik Festival ein Klassiker im Fokus.

In 100 der insgesamt 178 Konzerte wird Musik von Joseph Haydn (1732-1809) zu hören sein, dem Komponisten, der so stilprägend und innovativ wirkte wie kaum ein zweiter. Ein heute eher unterschätzter Komponist, wie Festival-Intendant Christian Kuhnt gestern bei der Vorstellung des Programms sagte. Dabei habe Haydn nicht zuletzt als „Erfinder“ des Streichquartetts und der modernen Sinfonie Wege bereitet, die noch heute unsere Musikkultur prägen.

Dem Werk Joseph Haydns wird sich auch das Solistenporträt des Jahres 2016 widmen: András Schiff. Der Pianist wird beim Festival zehn verschiedene Programme spielen, drei von ihnen beinhalten Musik von Haydn. Kuhnt zitierte András Schiff mit den Worten: „Haydn ist wirklich ein Philosoph unter den Komponisten. Und er hat sehr viel Lebenslust.“ Frank Siebert, Leiter der Konzertplanung beim Festival, berichtete von einem Besuch bei dem weltberühmten Pianisten, der in diesem Jahr 63 Jahre alt wird. „Schiff ist eine ganz andere Künstlerpersönlichkeit als Sol Gabetta und Martin Grubinger.

Er ist ein sehr introvertierter Künstler, der nur für die Musik lebt. Dabei aber entwickelt er ein kaum glaubliches Charisma. Und er sagt von sich selbst, dass er seinem Publikum viel abverlange — das hat dieser Künstler auch verdient.“ Zu den zehn Programmen, die András Schiff beim Festival spielen wird, gehört auch ein gemeinsamer Auftritt mit dem Salzburger Marionettentheater, bei dem Musik von Schumann und Debussy erklingt (17. Juli, Husum).

Mit 178 Konzerten sowie fünf Musikfesten auf dem Lande und zwei Kindermusikfesten und einem Etat von 8,9 Millionen Euro liegt das Festival ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. 2016 gibt es 105 Spielstätten in 57 Spielorten, insgesamt 172000 Karten stehen zur Verfügung. Das sind 3000 weniger als im vergangenen Jahr, was auch mit der Sperrung des Konzertsaales der Lübecker MuK zusammenhängt. In Lübeck finden aus diesem Grunde auch weniger Konzerte als üblich statt (siehe nebenstehendes Interview). Neu hinzugekommen sind in diesem Jahr elf Spielstätten, darunter die Aula des Johanneums und die Gollan-Kulturwerft in Lübeck. Auch das Stadttheater wird nach langer Pause wieder Festival-Standort. Das Eröffnungskonzert findet trotz der Sperrung des Konzertsaales in der MuK statt. Thomas Hengelbrock wird am 2. und 3. Juli Haydns „Oxford-Sinfonie“ und Béla Bártoks „Konzert für Orchester“ dirigieren, Marianne Crebassa singt Arien für Mezzosopran und Orchester von Haydn.

In diesem Jahr feiert das Schleswig-Holstein Musik Festival seinen 30. Geburtstag mit einem besonderen Konzert im Kunstwerk Carlshütte in Büdelsdorf. Aufgeführt wird in zwei Abteilungen Joseph Haydns großes Oratorium „Die Jahreszeiten“, der Schauspieler Klaus Maria Brandauer spricht zwischen den musikalischen Blöcken Texte von Haydn, Goethe und anderen.

Ohne Stars auch der schrägeren Art kommt das Festival auch in diesem Jahr nicht aus. Der Geiger Nigel Kennedy gibt sich wieder einmal die Ehre und spielt neben seiner neuesten Version von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ eigene Kompositionen (5. Juli, MuK). Auch der umstrittene Pianist Ivo Pogorelich kommt wieder in den Norden. Er spielt am 7. August im Kieler Schloss — ob man allerdings erkennen wird, was er eigentlich spielt, dafür wollte Intendant Christian Kuhnt keine Garantie übernehmen.

Zu den Höhepunkten des Festival-Sommers gehört auch die Aufführung des Filmklassikers „E.T“ mit Livemusik in den Holstenhallen von Neumünster. In Lübeck gestaltet der Geiger Daniel Hope wieder ein kleines „Festival im Festival“. Vom 8. bis zum 10. Juli finden elf Konzerte statt, zum Teil an ungewöhnlichen Orten wie der Aula der Ernestinenschule oder im Saal des Logenhauses.

Der Vorverkauf vor Ort beginnt am 4. April. Schriftliche Kartenbestellungen sind ab sofort möglich.

VIER FRAGEN AN...

1 Das erste Schleswig-Holstein Musik Festival seit vielen Jahren ohne Konzertsaal der MuK: Wie haben Sie diese Situation bewältigt?

Als wir im September 2015 von der Schließung erfuhren, haben wir geschluckt. Denn zu diesem Zeitpunkt ist die Planung für das nächste Festival so gut wie fertig. Aber wir haben in Lübeck eine besondere Situation und gehen nun mit dem Eckigen ins Runde. Es gibt kaum einen anderen Konzertsaal auf der Welt, der aus zwei Hallen besteht, dem großen Saal und der Rotunde. Damit können wir umgehen.

2 Dass die Eröffnung wieder in Lübeck stattfindet, ist eine gute Nachricht. Aber Sie können in der Rotunde weniger Besucher unterbringen.

Welche Wirkungen hat dies?

Es gibt Einschränkungen bei den Karteneinnahmen. Aber darauf konnten wir uns vorbereiten. Wir gehen davon aus, dass die Situation 2016 ein Sonderfall ist. Mit der Perspektive, dass 2017 der frisch sanierte Konzertsaal zur Verfügung steht, können wir diese Durststrecke meistern.

3 Sind die neuen beziehungsweise wiederentdeckten Spielstätten in Lübeck, zum Beispiel das Theater, Schul-Aulen, die Gollan-Kulturwerft oder Schuppen C auf der Wallhalbinsel, Ausweichspielstätten?

Nein. Die Gollan-Kulturwerft war längst geplant ebenso wie eine Vielzahl kleinerer Spielstätten. Lübeck hat einen großen Reichtum an verschiedenen Orten, den wir in den Mittelpunkt rücken.

4 Acht Konzerte finden in der Rotunde der MuK statt. Wie viele mussten verlegt werden?

Wie in den Vorjahren hatten wir elf oder zwölf geplant. Das heißt, dass sich dort drei oder vier nicht realisieren ließen. Teilweise aus Platzgründen, teilweise aber auch aus terminlichen Gründen.

Die Zahl der Konzerte in Lübeck ist aber so groß, dass Besucher, die Lübeck nicht verlassen wollen, auf eine große Vielfalt treffen. liz

Jürgen Feldhoff

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